06.03.2019 17:33 |

Prozess um Missbrauch

Als „Marcel (13)“ suchte er unmündige Mädchen

Er ist geschieden, kinderlos und 36 Jahre alt. Seine Opfer aber sind zwischen 11 und 15 Jahren. Um die Mädchen um den Finger zu wickeln, hat er die virtuelle Maske eines Gleichaltrigen aufgesetzt. Fünf Opfer listet die Anklage auf, an zwei verging er sich. Nur „ein Auszug“, so der Richter und nennt im Landesgericht Salzburg 23 weitere Mädchen. 

Der Forstarbeiter spricht leise. So, dass der Vorsitzende den Prozess in einen anderen Saal verlegt. Dort ist der gebürtige Steirer besser zu hören, antwortet nur kurz: Über die Spiele-App „MovieStarPlanet“ hat er seine Opfer gesucht. Er sei da „nur zufällig draufgekommen“. Eigentlich habe er „nach einer Chat-Plattform gesucht“, so der Angeklagte. „Und nicht explizit nach Mädchen“, bohrt Herr Rat weiter. „Es hat sich halt so ergeben.“

Vorwurf: Mehrfacher schwerer sexueller Missbrauch

Nein, der Anklage nach muss er gezielt gesucht haben: In der App hat er sich in den 13-jährigen Marcel verwandelt, „um sich das Vertrauen zu erschleichen“, unterstreicht Staatsanwalt Andreas Allex und wirft ihm mehrfachen schweren sexuellen Missbrauch in 2017 und 2018 vor. Sowie den Besitz von Kinderpornografie.

Er machte Opfern Druck: „Ich wurde so erzogen“

Selbst als Polizisten seine Wohnung im November 2017 stürmten, hat er „völlig unbeeindruckt weiter delinquiert“. Er ist sogar von Salzburg nach Wien gezogen: „Weil ich schon gewusst hab, dass da etwas auf mich zukommt.“ Die meisten Mädchen haben den Kontakt abgebrochen, als er sich zu erkennen gab. Zwei sind aber auf ihn reingefallen. Mit ihnen hat er sich sogar getroffen und seine sexuellen Fantasien ausgelebt - im Falle einer 13-Jährigen sogar im Keller ihres Wohnhauses. Sie leide unter „massiven Beeinträchtigungen“, sagt ihre Opfer-Anwältin.

Angeklagter: „Es war eher eine Sucht“

Genau diesen Vorfall spielt er herunter, verweist auf sein „kleines Problem unten“. Dem stehen aber eindeutige Chat-Nachrichten entgegen. Mädchen hat er auch unter Druck gesetzt, gedroht intime Fotos weiterzuschicken. „Es war eine Sucht, es sitzt im Kopf“, versucht er zu erklären, spricht von Alkoholproblemen und Missbrauch im Kindesalter. Deshalb lässt ihn jetzt der Richter von einem Experten untersucht. Neben Haft steht eine Einweisung im Raum. Vertagt.

Antonio Lovric
Antonio Lovric
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