26.02.2019 08:00 |

Therapie entwickelt

Salzburger Forscher mit neuem Stammzell-Verfahren

Neue Zelltherapien könnten in Zukunft Herztransplantationen überflüssig machen

Stammzellen sind Alleskönner. Aus einer befruchteten Eizelle entstehen biologisch gesehen zwei sogenannte totipotente Stammzellen, das bedeutet, aus ihnen können sich noch alle Arten von Körperzellen entwickeln. „Nach fünf Tagen hat das gute Dutzend Tochterzellen, bereits spezialisiert, nur noch die Fähigkeit, bestimmte Teile des Körpers zu bilden, das nennt man Pluripotenz“, erläutert Prof. Strunk vom Institut für Zelltherapie der Paracelsus Privatuniversität (PMU) in Salzburg. Diese pluripotenten Stammzellen (PS) könne man seit einigen Jahren aus jeder beliebigen, vorher bereits gereiften, Körperzelle induzieren (iPS) und damit theoretisch jedes Organ vollständig regenerieren, so der Traum der regenerativen Medizin.

„In der Realität kann der Körper ja mit wenigen hochspezialisierten Organstammzellen Verletzungen selbst reparieren. Meist bleiben dabei aber Narben zurück und eine eingeschränkte Funktion“, so Strunk. Aber Ausnahmen bestätigen die Regel. So sei die Leber besser regenerationsfähig als andere Gewebe. Der griechischen Legende nach konnte Prometheus täglich seine von einem Adler verletzte Leber komplett erneuern. Die meisten anderen Organe vernarben nach einer Verletzung und büßen ihre Funktion ein - letzter Ausweg bei Funktionsverlust ist die rettende Organtransplantation.

In einem EU-geförderten Projekt erforschen Prof. Strunk und sein Team neue (Stammzell-)Technologien zur Zelltherapie, um zum Beispiel Herztransplantationen eines Tages überflüssig zu machen. „Aus den pluripotenten iPS-Zellen züchten wir die verschiedenen Komponenten des Herzens einzeln und setzen sie dann zu Mikro-Organteilen zusammen. Diese sogenannten Organoide sollen in Zukunft die Narben kranker Herzen völlig regenerieren, ohne Spenderorgan“, erläutert der Immunologe. Weitere Teams im Salzburger Zelltherapie-Institut erforschen künstliche Haut zur Heilung massiver Verbrennungen und Knorpelorganoide zur Behandlung nach schweren Unfällen.

„Ideal wäre es, jedes an der Regeneration beteiligte Molekül durch Grundlagenforschung zu verstehen, um die perfekte Therapie zu entwickeln“, so Strunk. Ziel der EU-Förderung sei jedoch, möglichst rasch regenerative Zelltherapien zu entwickeln und in klinischen Studien auf Sicherheit und Effizienz zu prüfen. Stammzellforschung hilft dabei, die Mechanismen der Regeneration aufzuklären und schrittweise in neue Therapien zu überführen.

Die EU, die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft (FFG), die Österreichische Nationalbank (ÖNB) und das Land Salzburg fördern die Arbeiten von Prof. Strunk.

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