12.02.2019 19:30 |

Proteste auch in Graz

Streik im Sozialbereich: „Wir sind überlastet!“

Eine Branche, die ansonsten eher still ihre wertvolle Arbeit leistet, macht jetzt kräftig auf sich aufmerksam: Im privaten Pflege- und Gesundheitsbereich kommt es seit Dienstag zu Warnstreiks und Betriebsversammlungen. Die Mitarbeiterinnen fordern eine Entlastung - und vor allem mehr Personal.

Der Tag beginnt oft früh für Ingrid Kahr und Angela Pettek. Schon vor sieben Uhr brechen sie zu ihren ersten Kunden auf. Sie arbeiten in Graz für den mobilen Dienst der Volkshilfe, pflegen und unterstützen hilfsbedürftige, zumeist ältere Menschen in deren eigenen vier Wänden. Manche Besuche dauern 15 Minuten, andere mehr als eine Stunde.

Der Tag kann auch spät enden für Ingrid Kahr und Angela Pettek, manchmal erst gegen 20 Uhr. Ist der Dienst geteilt, stehen nach einer mehrstündigen Pause ab dem Nachmittag weitere Kundenbesuche an. „Ich habe zwei kleine Kinder im Alter von zwei und fünf Jahren. Deren Betreuung ist oft schwierig“, sagt Pettek.

„Viele von unssind überarbeitet“
Was erschwerend dazukommt: Permanent ändere sich der Dienstplan, man müsse kurzfristig einspringen, Überstunden fallen an. Pettek: „Viele von uns sind überarbeitet.“

„Die Arbeit ist körperlich und psychisch sehr anstrengend. Wir sind bei jedem Wetter unterwegs“, erzählt Kahr, die im Vorjahr von der stationären zur mobilen Pflege gewechselt ist - und die einzige Nicht-Teilzeitangestellte im Team ist! Für sie ist klar: Man brauche eine Entlastung, sprich mehr Personal. Dafür seien attraktivere Arbeitsbedingungen notwendig.

Im Heim gab es nur Gulaschsuppe
Um die Forderungen der Gewerkschaft wie etwa eine sechste Urlaubswoche und eine 35-Stunden-Woche zu unterstützen, wurde Dienstagvormittag gestreikt. Das hieß: Nur unbedingt notwendige Besuche wurden absolviert, die anderen verschoben.

Einen Warnstreik gab es auch im Volkshilfe-Heim in Niklasdorf, berichtet Betriebsratsvorsitzende Beatrix Eiletz, die in Wien am Kollektivvertrags-Verhandlungstisch sitzt: „Das bedeutet zum Beispiel, dass es statt drei Menüs nur eine Gulaschsuppe gibt. Es ist aber sicher kein Bewohner zu Schaden gekommen.“

Gestreikt wurde am Dienstag auch bei BBRZ in Graz, dazu kam eine Betriebsversammlung beim Hilfswerk. Am Mittwoch und Donnerstag folgen weitere Protestmaßnahmen. Gewerkschafterin Verena Nussbaum hofft auf Bewegung bei den Arbeitgebern in der nächsten Verhandlungsrunde, die am Montag stattfinden wird.

„Ein Traumjob“
Denn dass der Pflegeberuf ein wunderbarer ist, betonten sowohl Ingrid Kahr als auch Angela Pettek: „Der Zusammenhalt im Team ist großartig, und von den Kunden kommt so viel Positives zurück. Wir würden oft gerne mehr Zeit mit ihnen verbringen. Hätten wir genügend Personal, wäre es der Traumjob“, sind sie sich einig.

Jakob Traby
Jakob Traby
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