27.01.2019 07:00 |

Kellertheater

„Macbeth“ unter der Regie von Klaus Rohrmoser

Es wird gemordet! Es fließt Blut! Es ist ein echtes Massaker – dieser „Macbeth“ von William Shakespeare. Freitag Abend hatte das Stück im Innsbrucker Kellertheater Premiere. Klaus Rohrmoser und herausragende Schauspieler sorgen in der Analyse menschlicher Abgründe für ein spektakuläres Theater-Erlebnis!

„ ’Macbeth‘ hat alles, was ein spannender Politthriller braucht.“ So steht es im Programmheft. Da wird niemand widersprechen. Und wäre Regisseur Klaus Rohrmoser Simon Stone – der australische Regiestar, um den sich momentan alle deutschsprachigen Bühnen reißen – dann hätte er den Klassiker auch ganz salopp zu einem Thriller umgeschrieben, mit Protagonisten, die sich in der Gegenwart tummeln. Politiker, die dafür in Frage kämen, gäbe es wohl genug! Aber Klaus Rohrmoser hat das nicht getan. Er bleibt beim Original – schließlich hat das genug Thriller-Potenzial.

Bühnen-Magie mit Spar-Variante
Aber Klaus Rohrmoser greift trotzdem ein. Die fast 30 Rollen des Stückes reduziert er geschickt auf sechs Schauspieler. Die Spar-Variante ist eine raffinierte Verdichtung, schafft Spannung, ist Herausforderung – für Schauspieler und Publikum. Die Folge: Theater-Magie voller atemberaubender Eindringlichkeit!

Macht und grenzenlose Gier
Im Mittelpunkt steht Macbeth, der Heerführer, und seine Frau, die ihn zum Mord am König anstiftet. Es geht um Macht. Es geht um grenzenlose Gier. Gefühle, die zu Shakespeares-Zeiten so aktuell waren wie sie es heute sind. Das bringt Klaus Rohrmoser auf den Punkt. Parallelen zur Gegenwart ergeben sich ganz unaufdringlich: In eindrucksvollen, düsteren Bildern (er zeichnet auch für Bühne und Kostüme verantwortlich) und messerscharf gezeichneten Figuren, die psychologisch fassbar werden.

Grandiose Wandlungsfähigkeit
Es geht los, wie „Macbeth“ meist losgeht: mit den Hexen. Und schon da ein gelungener Kunstgriff: zwei der Hexen sind Männer, Lucas Zolgar und Elmar Drexel. Beide grandios in ihrer Wandlungsfähigkeit, den Wechsel in andere Rollen schaffen sie mit Leichtigkeit und bleiben doch jeden Moment authentisch. So wie die dritte Hexe, Tamara Burghart, die ihnen in nichts nachsteht. Helmut A. Häusler kann als Banquo und Arzt das volle Spektrum seines Könnens ausspielen.

Ein Abend wie ein Augenblick
Im Epizentrum: Markus Oberrauch als Macbeth und Lisa Hörtnagl als Lady Macbeth. Zwei atemberaubende Vollblutmimen, selbstvergessen im Spiel. Ein Ereignis! Das Resümee: Nach rund 90 Minuten kann man nur mit Shakespeare antworten „Dieser Augenblick hat den Geschmack der Zukunft“. Der Abend war in seiner Konzentriertheit wie ein Augenblick und hat in seinem Ansatz Visionen des Theaters Realität werden lassen.

Monika Brüggeller
Monika Brüggeller
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