26.01.2019 16:00 |

Leitner-Gruppen-Chef:

Anton Seeber - Vordenker der Seilbahn-Branche!

Anton Seeber (Jahrgang 1973) ist seit 2016 der Chef der Leitner-Gruppe. Die Firma mit Hauptsitz in Sterzing hat auch in Tirol eine wichtige Niederlassung: In Telfs werden 300 Mitarbeiter beschäftigt. Die „Krone“ besuchte Seeber in der Zentrale in Sterzing und sprach mit ihm über das zu Ende gehende Geschäftsjahr.

Herr Seeber, Ende des Monats geht das Geschäftsjahr Ihrer Firmengruppe zu Ende. Wie war das Jahr 2018?
2018 war für uns ein gutes Jahr. Ein Jahr, in dem wir viele spannende und herausfordernde Projekte verwirklichen konnten und sich die wesentlichen Kennzahlen ebenfalls positiv entwickelt haben. Wir werden mehr als 900 Millionen Euro umsetzen. Aber der Umsatz ist nur eine von vielen so genannten Unternehmens-Kennzahlen. Mir geht es darum, nachhaltig zu wirtschaften und nicht ausschließlich um die Umsatz-Entwicklung. Die Substanz zählt.

Die Zentrale in Sterzing wird gerade eifrig umgebaut. Was ist dort geplant?
Wir sind gerade dabei, die Zentrale von DemacLenko in Sterzing zu errichten und investieren rund 25 Millionen Euro. Daneben wurden auch umfangreiche Modernisierungs- und Automatisierungsmaßnahmen in der Fertigung umgesetzt. Zudem planen wir auch ein Schulungszentrum.


Hat das Auswirkungen auf Ihren Standort in Telfs und die dortigen 300 Mitarbeiter?
Unser Standort in Telfs hat sich sehr gut entwickelt und wurde schon zweimal erweitert. Wir stellen dort sämtliche Seilklemmen und Sessel für alle Bahnen weltweit her. Das globale Ersatzteilzentrum unseres Pistengeräte-Erzeugers Prinoth ist ebenfalls dort. Wir fertigen dort auch alle DirectDrives, montieren Schneeerzeuger und seit letztem Jahr auch die Hauben für unsere Sesselbahnen. Damit sind wir wieder ein Stück unabhängiger von Zulieferern geworden. Telfs ist ein extrem wichtiger Standort.


Ihr Unternehmen ist auf allen Kontinenten aktiv. Was waren die Highlights?
Wir durften 2018 in Zermatt eines der herausragendsten Seilbahn-Projekte des letzten Jahres, die neue 3S-Bahn auf das kleine Matterhorn, eröffnen. Weiters wurde in Santo Domingo in der Dominikanischen Republik die erste urbane Seilbahn der Karibik von uns realisiert und auch auf der tropischen Insel Le Réunion wird eine unserer Bahnen den urbanen Verkehr entlasten. Besonders emotional war die Eröffnung der neuen Seilbahn auf den Trebevic in Sarajewo – die ersetzt eine Pendelbahn, die im Bürgerkrieg zerstört wurde und als Kriegsschauplatz traurige Berühmtheit erlangte. Aber auch unser Kernsegment, die skitouristischen Anlagen in den Alpen und in Österreich, hat sich gut entwickelt. Ad hoc fallen mir da Anlagen im Zillertal, in Kitzbühel und auch die Erneuerung der U-Bahn in Serfaus, die heuer beendet wird, ein.

Wie gehen Sie mit den Wünschen der Seilbahnwirtschaft um?
Diese - nennen wir es Motivation (lacht) - schafft einerseits großen Leistungsdruck, gibt uns auf der anderen Seite aber auch die Möglichkeit, mit mutigen Auftraggebern extrem spannende und zukunftsweisende Lösungen zu realisieren. Wir arbeiten mit starken Unternehmern zusammen.


Die Hahnenkammrennen sind im Gange. In Kitzbühel sind besonders viele Anlagen von Leitner Ropeways? Wie wichtig ist Kitzbühel für Sie?
Uns verbindet mit Kitzbühel eine langjährige Partnerschaft und Josef Burger - samt seinem Team - hat auch gemeinsam mit uns gewagt, neue Projekte anzugehen. Wir haben unsere Premium-Sessel zum ersten Mal in Kitzbühel eingesetzt. Wir haben viele Leitner DirectDrives eingesetzt und nicht zuletzt stehen unsere - von Pininfarina - designten Stationen und Kabinen in Kitz. Um Innovationen auf den Markt zu bringen und zu etablieren, braucht es solche mutigen Auftraggeber.


Wie geht es Ihnen generell mit Österreichs Seilbahnern?
Die Seilbahnunternehmen in Österreich liegen in den Geburtsorten des alpinen Wintertourismus und fordern hohe Qualitätsmaßstäbe. Zudem spornen sie sich auch gegenseitig mit immer wieder neuen Wünschen und Innovationen an.


Welche Leitner-Innovationen freuen Sie am meisten?
Das iPhone-Zeitalter hat auch bei den Seilbahnen Einzug gehalten. Ein voller Erfolg ist unser Direkt-Antriebssystem. Der getriebelose Direktantrieb, unsere intern entwickelten Gleichrichter-Leitdrive und die digitale Steuerung Leitcontrol haben das Handling von Seilbahnen massiv vereinfacht. All das in technologischem Gleichklang mit unseren Wind-Turbinen, bei denen wir heuer die ersten Windräder unserer Kooperation mit der deutschen E.ON errichten werden.


Seilbahnen kommen auch immer mehr in Städten zum Einsatz. Was tut sich hier?
Wir machen für Göteborg eine echte Stadtseilbahn. Eine zweite Teilstrecke der 2017 in Betrieb gegangenen Seilbahn in Mexico City ist auch im Gespräch wie auch eine 3S-Seilbahn in Toulouse und Anlagen in Ecuador, Belgrad und Algerien. Alle weiteren Infos: www.leitner.com

Markus Gassler
Markus Gassler
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