23.01.2019 06:15 |

Landestheater Salzburg

„La Gazzetta“ war am Ende doch ein Erfolg

Geht’s noch ärger? Der neureich aufgeblasene Papa sagt über seine widerspenstige Tochter: „Ist auch nur eine Kartoffel, deren Pflanzer ich war“. Gioachino Rossinis „La Gazzetta“ - gerne als „Aschenbrödel“ unter seinen Opern genannt - in einer am Ende stark bejubelten Salzburg-Premiere.

Es gibt für die Beliebtheit von Rossinis Opern ein Ranking, gelistet nach Aufführungen. Ob das jetzt seriös ist, sei dahin gestellt. Jedenfalls, fünf Kategorien und eine zusätzliche, die „Verlierer“ heißt. Da firmiert „La Gazzetta“.

Komödien sind eklatante Fallgruben. Sind sie seicht: uninteressant; zugespitzt: werden sie zuweilen zynisch; gesungen wie in der Opera buffa: zusätzlich kompliziert. Wenn nämlich das Libretto Wirrwarr und Kuddelmuddel im Feuer forscher Emotionen entfaltet.

Alexandra Liedtke versucht es in ihrer Inszenierung mit milder „Travestie“. Da galoppiert die Satire in der Gesellschaft der Alten und Althergebrachten. Sie sind physisch…/…psychisch deutlich ramponiert. Viel Schnickschnack in zuweilen amüsanter, oft nur sehr halblustiger szenischer Gestalt.

Dann gegenüber die Jungen: erfindungsreich, widerständig, romantisch, stark, unverbrüchlich. Sowie: Drei Frauen, die sich als (gute) Furien des Nahkampfs erweisen: Tochter Lisetta, Doralice, Madame La Rose. Boxen können sie auch. Am Anfang all dieser Kalamitäten steht ein Inserat, in dem der Papa Don Pomponio (Sergio Foresti) seine Tochter Lisetta (Tamara Ivanis) in Goldtönen anpreist. Da kommen allerhand Werber ins Vier-Sterne Hotel in Rimini. Alberto (Nico Darmanin), der einen schweren Schüchti-Tick hat und sich in die falsche und doch richtige Doralice (Katie Coventry) verliebt. Ein erfundener Dumpf-Quäker, den der wahre Lisetta-Geliebte Filippo (George Humphreys) vorgibt. Alles wird gut!

Was sich im ersten Akt als reichlich schleppend erwies, kommt im zweiten in Schwung. Nur: Robin Davis am Pult des Mozarteumorchesters übersetzt nicht selten Lautstärke in Ausdruckskraft. Da wäre ein wenig Italianita schön gewesen. Im Sängerensemble? Tamara Ivanis’ weicher, doch wenig koloraturenkräftiger Sopran, die fein fließende Modulation von Katie Coventry, die stimmlich an der Rolle wachsenden Sergio Foresti und George Humphreys (er hält sich zu oft an seinen Hosenträgern fest), Nico Darmanin ist quasi Kasper im Glück. Der letzte Sanges-Satz: „Und täglich wollen wir uns an die Zeitung erinnern“. Balsam für einen Printjournalisten.

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