Mi, 20. Februar 2019
22.01.2019 05:45

Akuter Handlungsbedarf

Stadt Graz war nachlässig: Millionen für den Kanal

Das Grazer Kanalnetz muss dringend saniert werden - Teile davon sind bereits mehr als 100 Jahre alt. Schuld an dem maroden Zustand ist eine gewisse Nachlässigkeit. Dazu kommt die Bevölkerungsexplosion. Fest steht: Auf die steirische Landeshauptstadt kommen in den nächsten Jahren erhebliche Kosten zu.

Rund 860 Kilometer lang ist die Grazer „Unterwelt“, wie die Kanalisation auch genannt wird. 80, also nicht ganz ein Zehntel, müssen dringend saniert werden. Nach mehr als einem Jahrhundert ist die Lebensdauer da und dort nun einmal überschritten...

Dass akuter Handlungsbedarf besteht, ist amtlich: Bereits 2017 kritisierte der Bundesrechnungshof, dass die Stadt Graz die laufende Sanierung des Kanalnetzes habe schleifen lassen. Es sei „lediglich ein Drittel der erforderlichen Mindestsanierungsrate“ erreicht worden. Die Kanalgebühren seien zum großen Teil für andere Dinge verwendet worden.

Doch man zeigt sich einsichtig. Der Rückstau soll Stück für Stück abgearbeitet werden. Das Plansoll liegt laut der Holding Graz bei beträchtlichen 13 Kilometern pro Jahr. „Dazu werden ab 2020 rund sieben Millionen Euro pro Jahr investiert“, kündigt man an.

Es bleibt jedoch abzuwarten, ob diese Ankündigung „für den Kanal“ ist - das lehrt einen die jüngere Geschichte. In den Jahren 2011 bis 2014 waren nämlich sogar jeweils zehn „Mille“ budgetiert, tatsächlich wurden jedoch nur zwei ausgegeben. So stand es damals im Rechnungshofbericht.

„Teilweise können die Sanierungsarbeiten unterirdisch erfolgen, dann sind nur kleine Grabungen notwendig“, erklärt der Sprecher der Holding Graz, Gerald Zaczek-Pichler. In vielen Fällen müsse aber die ganze Straße aufgerissen werden - man muss also auch mit einigen „blöden“ Baustellen rechnen.

Weitere Großprojekte stehen auf dem Plan
Neben der Sanierung des Kanalnetzes kommt in den nächsten Jahren eine weitere Großinvestition auf die Landeshauptstadt zu: der Ausbau der Kläranlage, der notwendig ist, weil die Murmetropole stark wächst. Kostenpunkt: 40,5 Millionen Euro.

Zudem wird derzeit der Speicherkanal bis ins Stadtzentrum errichtet, auch ein großer Brocken. Die Kosten des umstrittenen Projekts wurden mit ca. 80 Millionen Euro veranschlagt.

Ernst Grabenwarter
Ernst Grabenwarter

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