Fr, 22. Februar 2019
21.01.2019 10:14

„War noch nie so arg“

Afrika-Virus rafft Amseln im großen Stil dahin

In Österreich und Deutschland grassiert derzeit wieder ein gefährliches Vogel-Virus. Betroffen davon sind hauptsächlich Amseln und Drosseln, die eine Infektion meist nicht überleben. In manchen Regionen beträgt die Sterblichkeitsrate bis zu 40 Prozent. Hierzulande wurde das Phänomen insbesondere im Osten und Süden registriert, auch in Hamburg schlugen Hobbyornithologen Alarm.

„Die diesjährige Zählung meldet die niedrigste Anzahl an Amseln pro Garten seit Beginn der Wintervogelzählung“, berichtete Gabor Wichmann, Geschäftsführer von BirdLife Österreich. In den vergangenen vier Jahren sei die Amsel aus jedem fünften Garten verschwunden. Das sogenannte Usutu-Virus, das bereits von 2001 bis 2005 zu einem Amselsterben geführt hatte, setzte dem Vogel neuerlich zu. Seit dem Vorjahr wurden wieder zunehmend Fälle, vor allem im Osten und Süden Österreichs, diagnostiziert.

„So arg wie heuer war es noch nie“
Experten beobachten die Situation ratlos. Allein beim Grazer Verein „Kleine Wildtiere in großer Not“ sind Ende 2018 zahlreiche Vögel bald nach ihrer Abgabe verstorben, „ohne, dass wir ihnen irgendwie helfen konnten“, sagte Chefin Monika Großmann. Bei den Amseln wurde „eindeutig das Usutu-Virus nachgewiesen“.

Außerdem: „Der Befund war auch für verstorbene Drosseln positiv“, so Großmann. Effektive Hilfe gibt es keine, „vor allem junge oder geschwächte Tiere werden dahingerafft“. Die Expertin hat diese Vogelseuche, die ursprünglich aus Afrika stammt, schon in den Jahren davor bemerkt, doch: „So arg wie heuer war es noch nie.“ Tendenz steigend.

Stechmücken als Überträger
Meldungen aus dem Ausland geben der Vogelexpertin Recht. In Hamburg etwa waren ganze Straßenzüge gesäumt von verendeten Amseln. Um 40 Prozent ging die Population allein in der Stadt zurück, deutschlandweit sind es laut einem „Spiegel“-Bericht rund 14 Prozent. Die Amseln werden kahl, desorientiert, fressen nicht mehr und sterben. „Die Krankheit wird von blutsaugenden Insekten übertragen, die Vögel verenden im Endeffekt an einer Entzündung des Gehirns“, hieß es.

Für Menschen harmlos
Für den Menschen sei das Virus glücklicherweise relativ ungefährlich, die Auswirkungen seien minimal: Es ist „keine schwere menschliche Erkrankung“, erklärte Virologe Norbert Nowotny von der Veterinärmedizinischen Universität Wien gegenüber dem ORF. Tote Vögel sollte man dennoch nicht mit bloßen Händen berühren!

Spatz ist top
Übrigens: Der Haussperling, bei vielen besser bekannt als Spatz, war bei der diesjährigen Wintervogelzählung in Österreich erstmals das meistgesehene Tier. 12.783 Teilnehmer zählten innerhalb einer selbst gewählten Stunde zwischen 4. und 6. Jänner im Schnitt zehn Spatzen in ihrem Garten. Insgesamt wurde der Vogel in 45 Prozent aller Gärten beobachtet, meldete BirdLife.

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