Aus Spital entlassen

HIV-infiziertes Mädchen kommt in Pflegefamilie

Steiermark
28.01.2010 18:40
Jenes elf Monate alte Mädchen, das seit Ende Dezember an der Grazer Kinderklinik gegen den Willen seiner Eltern mit Medikamenten gegen HIV und eine Lungenentzündung behandelt wurde, ist am Mittwoch entlassen worden. Wie es seitens des Bezirkshauptmanns hieß, wurde das Kind in die Obsorge einer Jugendwohlfahrtseinrichtung übergeben.

"Die Unterbringung auf einem Pflegeplatz ist nicht als kurzfristige Maßnahme gedacht", hieß es in der Stellungnahme der BH. Begründet wurde die Maßnahme damit, dass es "im Interesse des Wohles des Mädchens" sei, "insbesondere um die erforderlichen Therapien zu gewährleisten und zu verhindern, dass ihre Gesundheit durch Unterbleiben der dringend gebotenen therapeutischen Maßnahmen erneut gefährdet wird (...)".

Gesundheitszustand stabilisierte sich
Das Baby war Ende September auf Anweisung der besorgten Bezirkshauptmannschaft bei seinen HIV-positiven Eltern abgeholt und auf die Kinderklinik des LKH Graz gebracht worden. Seither wurde es gegen den Willen seiner Eltern behandelt, worauf sich der Zustand des Mädchens laut Angaben der Ärzte stabilisiert hat.

Die Obsorge über die medizinische Betreuung des Kindes liegt bereits seit dem Sommer des Vorjahres bei der BH, ebenso das Recht, den Aufenthaltsort des Kindes zu bestimmen. Es müsse auf alle Fälle sichergestellt sein, dass das Mädchen seine Therapie erhält, so der Bezirkshauptmann: "Wenn das Kind seine Medikamente nicht regelmäßig bekommt, stirbt es."

Eltern halten Krankheit für "Lüge"
Seitdem das Kind in die Kinderklinik eingeliefert wurde, stand daher die Frage im Raum, wie die Betreuung des Kindes nach der Entlassung aussehen könnte. Die Eltern des Babys sind der Meinung, dass ihre Tochter grundlos gegen eine HIV-Infektion behandelt werde und halten die Krankheit selbst für eine "Lüge". Erst die Medikamente gegen den HI-Virus hätten das Mädchen krank gemacht, so die Ansicht der Eltern.

Mehrere Anzeigen eingebracht
Bei der Staatsanwaltschaft liegt vonseiten der Kinderschutzgruppe des LKH Graz eine bereits im September eingebrachte Anzeige gegen die Eltern wegen Verdachts auf "schwere Körperverletzung mit Dauerfolgen" und "vorsätzliche Gefährdung von Menschen durch übertragbare Krankheit" auf. Ein ärztliches Gutachten wurde in Auftrag gegeben. Im Gegenzug zeigten die Eltern die Ärzte der Kinderklinik, die BH und das Gericht wegen Nötigung, Betrugs, grober Fahrlässigkeit und Beihilfe zum versuchten Totschlag an.

In die Causa hat sich auch der selbst ernannte Krebsheil-Praktiker Ryke Geerd Hamer eingeklinkt. Der deutsche "Wunderheiler" sorgte bereits 1995 in Österreich für Schlagzeilen, als er den Eltern der damals sechsjährigen krebskranken Niederösterreicherin Olivia von einer schulmedizinischen Behandlung ihrer Tochter abgeraten hatte.

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