05.12.2018 16:22 |

16 Jahre lang geirrt

Tiroler (43) droht nach Vaterschaftstest der Ruin

Florian M. ist am Boden zerstört. Seine Ehefrau hat ihm 16 Jahre lang verschwiegen, dass Martina (Name von der Redaktion geändert) nicht seine leibliche Tochter ist. Nach einem Vaterschaftstest will der IT-Angestellte die Eheannullierung. Doch davon raten ihm alle ab …

„Eigentlich haben wir nur geheiratet, weil meine Frau schwanger war.“ Das ist die bittere Bilanz, die der 43-jährige Tiroler heute zieht. Im Jahr 2001 war die Hochzeit. Heute ist die gemeinsame Tochter 17 Jahre alt und sitzt wegen einer Autoimmunerkrankung seit sechs Jahren im Rollstuhl. „Sie spricht nur einfache Wörter, anfangs ging es um Leben und Tod“, erzählt Florian M. Nach mehreren Arztbesuchen gilt das Mädchen heute als austherapiert. Dennoch benötigt sie mehr als 160 Stunden Pflege pro Monat. „Montags und dienstags geht sie in die Ganztagsschule, den Rest der Woche verbringt sie zu Hause.“

„Ich habe damals vor 15 Jahren einen Fehler gemacht, das kannst du mir ja heute nicht mehr vorwerfen“, rechtfertigt sich Martinas Mutter. Für den Tiroler ein riesiger Vertrauensbruch. Juristisch handelt es sich eigentlich um eine Straftat, nur verjährt diese innerhalb von drei Jahren. „Ich habe mich für einen privaten DNA-Test-Anbieter entschieden und Proben nach Wien geschickt. Ich wollte einfach nur Gewissheit, dass all die psychischen Aufwendungen der letzten Jahre für MEIN Kind getätigt wurden.“ Schon drei Tage später treffen die Resultate ein. Florian M. ist nicht Martinas biologischer Vater. „Diese Nachricht zog mir den Boden unter den Füßen weg.“

„Nach dem Vaterschaftstest wollte ich die sofortige Scheidung“, so M. Seine Frau wollte eine neue Wohnung finden. Dann kehrte sie in die gemeinsame Wohnung zurück. „Sie hat im Schlafzimmer, ich im Gästezimmer geschlafen.“ Bald habe die 42-Jährige ihn, der die Wohnung als Altersvorsorge gekauft hat, komplett ausgesperrt. „Ich bin nicht mehr in mein Zuhause reingekommen, die Innentüren waren eines Tages verriegelt.“

Florian M. möchte ein neues Leben beginnen, doch die Scheidung gestaltet sich schwierig. Von einer Annullierung der Ehe raten ihm Anwälte ab, „das kann gut drei bis vier Jahre dauern“. Damit nicht genug: Florian verschaffte ihr 2007 sogar einen auf das Kind abgestimmten flexiblen Arbeitsplatz in derselben Firma und ist somit gezwungen, sie jeden Tag zu sehen. M. erzählt, dass ihn der Rosenkrieg krank gemacht habe. Ausschläge, Zahnfleischentzündung. „Jede Woche erreicht mich ein neues Anwaltsschreiben, das mich aus der Fassung bringt.“ Bei der letzten Gerichtsverhandlung zur Scheidung pochte seine Ehefrau auf eine finanzielle Entschädigung sowie das gesamte Inventar der Eigentumswohnung plus Wohnrecht bis Ende 2019. „Dabei habe ich von Anfang an den Wohnkredit bezahlt. Ich musste jetzt sogar einen weiteren Kredit über 25.000 Euro aufnehmen, um auch meine Lebens- sowie Anwaltskosten decken zu können.“ Er stehe, sagt er, vor dem finanziellen Ruin.

Darunter leidet auch die Beziehung zur Tochter. „Geschenke von mir und meiner Familie werden von meiner Noch-Ehefrau mit der Post retour geschickt. Darum habe ich meiner Tochter heuer nichts gekauft.“ Auch nicht an ihrem 17. Geburtstag. Oft stelle er sich vor, wie ein Wiedersehen in der Stadt ablaufen würde. „Die Szenen in meinem Kopf spielen sich immer anders ab. Ich glaube, wenn ich die beiden wirklich einmal zufällig sehen würde, zerfetzt es mir endgültig das Herz.“ Kontakt zur Tochter gibt es keinen mehr. „Meine Frau versucht das mit allen Mitteln zu verhindern. Außerdem hat meine Kleine kein Handy. Das macht es für mich schwierig, Kontakt zu ihr zu halten.“ Besuchsrecht gibt es auch keines - weil er nicht der leibliche Vater ist.

Es sieht nicht gut aus für den Tiroler und seinen zerplatzten Traum von einer Familie. „Es kann doch nicht sein, dass ich 16 Jahre lang belogen wurde und jetzt dafür die Rechnungen bezahlen muss“, sagt Florian M. Entscheiden wird das Gericht. Auf Anfrage von krone.at wollte dazu weder Frau M. noch ihr Anwalt Stellung nehmen.

Alexander Bischofberger-Mahr
Alexander Bischofberger-Mahr
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