Sa, 15. Dezember 2018

11. Oktober 2008

11.10.2018 06:00

Der Unfall von Jörg Haider: Mythen und Theorien

Wir schreiben den 11. Oktober, vor genau zehn Jahren starb der Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider südlich von Klagenfurt im Wrack seines VW Phaeton.

Doch seine letzte Ruhe hat Haider noch lange nicht gefunden, die Verschwörungstheorien blühen. Nicht zuletzt, weil sie ein lukratives Geschäft sind. Dabei liegen die Fakten ja seit zehn Jahren auf dem Tisch: 142 km/h, 1,8 Promille, regennasse Fahrbahn, SMS am Steuer.

Aber machen wir doch den Test und geben auf Google „Haider und Mord“ ein: Wir erhalten binnen Millisekunden 143.000 Treffer. Suchen wir ergebnisoffener nach „Haider und Unfall“, steigt der Wert auf 191.000. Es scheint auch zehn Jahre danach schwer, Dinge zu akzeptieren, die man nicht akzeptieren möchte.

Unfalltod, Mord oder Attentat?
Oder steckt mehr dahinter? Das große Geschäft? Da gibt’s einerseits jene, die durch Bücher, zumeist im einschlägig bekannten Kopp-Verlag erschienen, Geld machen. Die Autoren heißen dann Gerhard Wisnewski oder Guido Grandt, die Bücher „Haider - Unfalltod, Mord oder Attentat“ bzw. „Freimaurer-Logenmord Jörg Haider“.

Der Kärntner Landeshauptmann war immer Quotenbringer, das gilt auch für den Video-Kanal YouTube. Mehr oder weniger ernst zu nehmende „Experten“ formulieren die schrägsten Verschwörungstheorien:

  • Der Phaeton wurde mit einem Lkw an den Ort des Geschehens gebracht, Haiders Leiche erst danach in das Wrack gesetzt.
  • Der israelische Geheimdienst habe Jörg Haider auf dem Gewissen.
  • Alternativ dazu auch die amerikanische CIA
  • oder Freimaurer, Bilderberger oder Außerirdische.

Haiders Alkoholisierung wird bezweifelt
Generell bezweifelt wird Haiders Alkoholisierung. Man könne sich nicht in den drei Stunden vom laut Zeugen recht nüchternen Verlassen einer Disco in Velden bis zum Unfall 1,8 Promille antrinken. Auch gebe es unterschiedliche Alkoholwerte in Blut und Magen. Zwischen 22.30 und 23.15 Uhr am Abend des 10. Oktober existiere auch ein Zeitfenster ohne Hinweis auf Haiders Aufenthaltsort.

Haider-Witwe bemüht sich um Blutproben 
Derzeit bemüht sich Haiders Witwe Claudia um in Graz verwahrte Asservate, darunter Blutproben. Mit deren Hilfe soll ein neues Privatgutachten Licht in die Alkohol-Debatte bringen.

Rätsel um Zeugin und SMS
Für immer im Dunkeln der Unfallnacht wird jene Zeugin bleiben, die den Landeshauptmann als Letzte gesehen hat - wie er sie überholte. Oder der Inhalt der SMS, die Haider um 1 Uhr, 12 Minuten und 53 Sekunden schrieb bzw. um 1 Uhr, 14 Minuten und 38 Sekunden erhielt. Diesen Inhalt kennt wohl nur der Netzbetreiber. Augenblicke später war Jörg Haider tot.

Der Klagenfurter Universitätsprofessor Klaus Ottomeyer war immer ein ausgesprochen lauter Haider-Gegner. Vielleicht hatte der Psychologe aber recht, als er 2009 am ersten Jahrestag von „Idealisierung statt Trauerarbeit“ sprach. Eines ist sicher: Zehn Jahre nach seinem Tod ist Jörg Haider präsent wie immer.

Haider und Strache: Medaille und Kränze
Jörg Haider und Heinz-Christian Strache - nicht immer die allerbesten Freunde. Zehn Jahre nach Haiders Tod ändert sich das. Der Vizekanzler und FPÖ-Obmann legte am Mittwoch sowohl an der Unfallstelle in Lambichl als auch am Grab im Südkärntner Bärental Kränze nieder.

Im Wechselspiel gab es aus den Händen von Claudia Haider für Strache die „Jörg-Haider-Medaille“. Bei beiden Anlässen wurde betont, wie man die Verdienste des jeweils Geehrten für die freiheitliche Idee schätze.

Fritz Kimeswenger, Kronen Zeitung

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