So, 16. Dezember 2018

Interview

09.10.2018 09:46

20 Jahre an der Seite eines Polit-Popstars

Er war Jörg Haiders Sportpartner, Parteimanager und Spitzenkandidat in Klagenfurt: Anlässlich seines 10. Todestages blickt Stadtvize Christian Scheider zurück auf zwei Jahrzehnte mit dem Ausnahmepolitiker.

Haiders letztes großes Projekt, das BZÖ, liegt in Trümmern. Wo stünden die Orangen, würde der Parteigründer heute noch leben?

Das BZÖ würde es in der ursprünglichen Form wohl nicht mehr geben.

Wie kommen Sie darauf? Die Partei hat doch nach Haiders Tod bei der Landtagswahl einen Sieg eingefahren.

Dieser Erfolg war auf die besonderen Umstände zurückzuführen. Und er hat sich auf Kärnten beschränkt. In den anderen Bundesländern waren die Orangen ja kaum existent.

War die Abspaltung von der FPÖ also ein Fehler?

Man muss das so sagen. Sie hat das freiheitliche Lager enorm geschwächt.  Haider wollte deshalb die beiden Parteien wieder zusammenführen. Es gab ja auch schon erste Kontakte.

Wie haben Sie Haider kennengelernt?

Das war 1983. Er hat als Landesrat die Siegerehrung bei einem Tennisturnier vorgenommen, das ich gewonnen hatte. Damals hat er mich gefragt, ob ich auch mit ihm spielen wolle. Daraus hat sich eine langjährige sportliche Freundschaft entwickelt. Wir waren auch oft gemeinsam laufen. Seine große Leidenschaft war aber das Bergsteigen.

Sie haben Ihre politische Arbeit an Haiders Seite im Vorzimmer des Landeshauptmann-Büros begonnen. Wie war er als Chef?

Konsequent und knochenhart. Auf dem Tennisplatz haben wir uns locker privat unterhalten, zwei Stunden später im Büro zählte nur noch die Arbeit. Und was Arbeit bedeutet, haben wir dann erfahren, als wir nach seiner Abwahl mit ihm ins Parlament gewechselt sind.

Wie kann man das verstehen?

Dort gab es jede Woche Körbe voll Post zu bearbeiten. Haider ließ keinen Brief unbeantwortet. Von Freitag bis Sonntag waren wir dann mit ihm bei Veranstaltungen in ganz Österreich. Dort haben ihn die Leute mit ihren Anliegen bestürmt. Wir haben oft ganze Blöcke voll notiert. Und wehe, wenn wir eine Intervention nicht bearbeitet haben!

War das also das Geheimnis seines Erfolgs?

Bestimmt. Haider wollte nicht, dass wir nur im Büro sitzen und Presseaussendungen verfassen. Wir mussten hinaus zu den Leuten und berichten, was den Menschen am Herzen lag.

Für eine Ausnahmeerscheinung wie ihn braucht es aber wohl mehr…

Er war ehrgeizig wie ein Spitzensportler und immer bereit, volles Risiko zu nehmen. Wenn’s ihm in der Politik zu ruhig geworden ist, hat er das nächste heiße Eisen angepackt. Seine Disziplin konnte man sogar beim Essen beobachten. Wir gönnten uns bei Zeltfesten öfter eine Bratwurst. Er aß später lieber im Auto seine Müsliriegel.

Jörg Haider - ein Popstar der Politik?

Man kann sich kaum vorstellen, was sich rund um ihn oft abgespielt hat. Wir waren einmal zu Fasching in Lignano, als sich Hunderte Italiener um uns geschart und dem Jörg zugejubelt haben. Die Menschen haben uns die Autogrammkarten aus der Hand gerissen! - Wir mussten uns mit Zetteln aus Notizblöcken behelfen - und das im Ausland!

Zehn Jahre nach seinem Tod ist aber doch einiges vom einstigen Glanz abgeblättert.

Das wage ich wirklich zu bezweifeln, auch wenn man Haider mittlerweile für alles Ungemach verantwortlich machen will. Er hat immer noch seinen Platz in den Herzen vieler Menschen. Das kann man an der Unfall-Gedenkstätte noch gut beobachten.

Unfall oder Mord? Es kursieren ja immer noch die abenteuerlichsten Versionen.

Ich zähle nicht zu den Verschwörungstheoretikern. Aber ich werde das Gefühl nicht los, dass irgendwann noch etwas Überraschendes auftauchen wird.

Johan Plamisano
Johan Plamisano

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