Di, 23. Oktober 2018

Kleinbauern in Aufruhr

07.10.2018 17:02

„365 Tage Auslauf für Kühe ist nicht zu schaffen“

Seit 1. Oktober schreibt die Hofer-Biomarke „Zurück zum Ursprung“ ihren Milchlieferanten 365 Tage Auslauf für die Kühe vor. Eine Vorgabe, die viele Tiroler Kleinbauern nicht erfüllen können. Sie dürfen nicht mehr liefern. Die Enttäuschung unter den Biolandwirten ist groß. Sie fürchten, dass etliche das Handtuch werfen.

Der Bezirk Osttirol gilt als Bio-Vorzeigeregion. Besonders viele Landwirte haben hier ihren Betrieb umgestellt. Rund 120 Milchbauern waren bis 1. Oktober Lieferanten für die Biomarke „Zurück zum Ursprung“. Damit ist jetzt Schluss!

Hofer verordnet den Kühen 365 Tage Auslauf. Am hart umkämpften Biomarkt ein verkaufsträchtiges Argument. Geworben wird mit dem Reim „Ene mene muh und raus darfst du“. Raus sind nun aber auch zahlreiche kleine Bauern. „Wir Biolandwirte sind Idealisten und betreiben viel Aufwand für Tierwohl und Umweltschutz. Fast 200 Tage sind unsere Kühe auf Almen oder Weiden. Im Winter gehen wir zweimal in der Woche mit ihnen ins Freie. Aber 365 Tage Auslauf ist für viele Betriebe nicht zu schaffen“, fasst Klaus Unterweger aus Kals zusammen, was ihn und seine Kollegen derzeit aufwühlt.

Das Problem: Zahlreiche Bauern haben weder Platz noch Geld, einen Laufstall mit Zugang ins Freie zu bauen. Bisher genügte die so genannte Kombi-Haltung: Die Tiere sind im Winter angebunden, werden aber regelmäßig ins Freie geführt. Ein zeitaufwendiger Spaziergang. Unterweger: „Nebenerwerbsbauern können den Auslauf oft nur am Wochenende organisieren. Mit der neuen Regelung müssten sie wohl oder übel in der Nacht mit ihren Kühen hinaus. Glauben Sie, dass das den Tieren gefällt?“

Ein Teil der Osttiroler Biobauern könnte die 365-Tage-Vorgabe schon erfüllen. Doch die Berglandmilch kann bei der Abholung nur einen Tank für Biomilch mitführen. Also mussten alle Landwirte aussteigen. In Zukunft gibt es deshalb weniger Milchgeld. Für Unterweger und seine Kollegen wiegt aber ein anderes Argument weit mehr: „Die großen Biomarken werben mit den kleinen Bergbauern. Doch die wird es durch die immer strengeren Vorgaben bald nicht mehr geben.“

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