30.08.2018 06:49 |

Jubiläum:

Ein Original in doppelter Hinsicht

Huemer lässt mit dem „Wernbacher“ die Alt-Wiener Kaffeehauskultur wieder aufleben

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„Dass man mich oft als Salzburger Institution bezeichnet, hat mich zunächst schockiert, immerhin bin ich dafür doch schon noch ein bisserl zu jung. Mittlerweile bin ich darüber aber gerührt.“ Zurecht, schließlich zählt Bernhard Huemer zu jenen, die die Altwiener Kaffeehauskultur zelebrieren .

Dabei hätte der gebürtige Oberösterreicher (Scharnstein im Almtal) nie und nimmer damit gerechnet einst das Café Wernbacher zu führen. „Ich hab damals auf eine Zeitungsannonce geantwortet. Als sich jedoch herausstellte, dass es sich dabei ums Wernbacher handelt, hätte ich am liebsten gleich wieder am Absatz kehrtgemacht!“ Gut, dass Huemer 2003 einen Moment zögerte, und mit gerade mal 25 nach „Lehrjahren“ im Imlauer Bankett-Service den Schritt wagte, die langjährige Tradition des Cafés in der Franz-Josef-Straße weiterzuführen.

Ursprünglich beherbergte das Jahrhundertwendehaus eine Möbel-Halle, wie Huemer mit Plänen von 1910 belegt, und in den 30ern das „Café Großglockner“, das schließlich Frank und Margaretha Wernbacher 1952 in ein wahres Schmuckstück verwandelten.

„Mein Vater war Kosmopolit und in den besten Häusern von London bis Marokko beschäftigt. Nach seiner Rückkehr nach Salzburg hat er den Flair der großen Welt hierher gebracht. Gemeinsam mit Architekt Hochreiter hat er mit Nussholzmöbeln in geschwungener und somit einladender Form, bunten Bildern vom Salzburger Maler Leonhard Stemeseder, die vor Lebenslust nur so sprühen, sowie einer gut sortierten American Bar ein ,Wohnzimmer’ geschaffen, in dem sich auch heute noch Einheimische wie Zuagraste aus allen Gesellschaftsschichten gleichermaßen wohlfühlen“, betont Monique Wernbacher, die nach wie vor die Hauptmieterin ist.

Das liegt daran, dass Huemer als Pächter an dieser Originalität nach wie vor festhält. „Natürlich wurde in den letzten Jahren bereits mehrfach renoviert, aber stets mit Bedacht. Der Teppich wurde schon viermal ausgewechselt, allerdings lassen wir ihn immer wieder nach dem Originaldesign anfertigen.“ Auch am Mittagstisch mit täglich variierenden Gerichten, sowie den Stammtischen, die von der Herren- bis zur Schachrunde reichen, wird nicht gerüttelt.

„Ich sehe es als meine Aufgabe diese Traditionen zu bewahren, allerdings ohne mich vor Innovationen zu verschließen.“ Und so wird im „Wernbacher“ nicht nur die Kaffee- sondern auch die angesagte Gin-Kultur zelebriert. Mit Hendrick’s aus Schottland, Gin Mare aus Spanien, Koval aus Chicago oder WacholderBär aus der Steiermark wird eine feucht-fröhliche Reise um die Welt geboten. Schade fast, dass es den legendären Scotch-Club, der in den 60ern als erste Disco Salzburgs galt, nicht mehr gibt.

Wie auch immer, das Glas wird am Freitag in jedem Fall erhoben. So feierte doch Huemer sein 15-, und das „Wernbacher“ sein 66-jähriges Jubiläum. „Als Dank für die jahrelange Treue starte ich mit meinen Stammgästen eine Zeitreise in die 50er“, freut sich der Wirt.

Tina Laske
Tina Laske
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