30.08.2018 06:00 |

Prozess in Innsbruck

Schein-Ehe mit Bettler, um in die EU zu dürfen

Findige Geschäftsidee eines Rumänen (46), der eigentlich als Putzkraft in Tirol arbeitet: Er fädelte Scheinehen zwischen Rumänen (EU-Bürger) und Serben ein, damit sich letztere rechtmäßig hierzulande aufhalten dürfen. Nachdem alles aufgeflogen war, stand der Mann nun vor dem Landesgericht - vertagt.

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200.000 Euro Schulden gab der in Tirol lebende Rumäne als Motiv für seine „Ehe-Tricksereien“ an. Er betonte aber gleich am Beginn des Prozesses, dass ihm von den 10.000 Euro Vermittlungsgebühr ohnehin nur 1500 Euro geblieben seien. Der Rest sei in diverse Unkosten geflossen.

Sechs Fälle vorgeworfen
Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten sechs derartige Fälle vor. Bei den Serben, die durch die Scheinehe den Vorteil eines Aufenthaltsrechts in der EU hatten, handelte es sich sowohl um Frauen als auch um Männer. Der Gesetzgeber spricht in solchen Fällen von Aufenthaltsehen. Durch Mundpropaganda soll sich das Geschäftsmodell des Angeklagten recht gut weiterverbreitet haben. Unter den Rumänen, die als Schein-Ehemänner herhielten, war auch ein obdachloser Rumäne, der als Bettler in Tirol sein Dasein fristete. „Es war seine Idee, er wollte damit etwas Geld verdienen“, stellte es der Angeklagte anders dar.

Anklagepunkte wegen Bettler
Der Bettler brachte dem 46-Jährigen aber weitere Anklagepunkte wie Menschenhandel und schwere Nötigung ein. Denn unter Ausnutzung seiner Armut und Obdachlosigkeit soll ihn der „Heiratsvermittler“ zu beinahe unbezahlten Reinigungsdiensten genötigt haben. Als der Bettler drohte, seine Schein-Ehe mit einer Serbin anzuzeigen, soll er vom Angeklagten mit dem Tod bedroht worden sein. Der Angeklagte konnte immerhin Quittungen vorlegen, die beweisen sollten, dass der Obdachlose immer wieder Zahlungen für seine Arbeit erhalten hatte. Weil der Bettler als wichtiger Zeuge aber nicht erschienen war und sein derzeitiger Aufenthaltsort unbekannt ist, musste der Prozess auf Anfang Oktober vertagt werden.

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