Mo, 24. September 2018

Leid bei Mops & Co,

15.09.2018 18:36

Verbot von Qualzuchten bei Tieren gefordert

Der ursprüngliche Hund hat keine Rasse, diese sind eine Erfindung des Menschen - und wir erfinden Dinge, die uns gefallen oder nützlich sind. Bei den sogenannten Nutztieren geht es in erster Linie um die Leistung, bei Haus- und Heimtieren darum, dass sie uns optisch ansprechen. Nicht immer ist das gesund für die Vierbeiner - Tierschützer und Experten wollen auf die Problematik von Qualzuchten aufmerksam machen und fordern ein Verbot.

Sie sind ohne Zweifel unfassbar herzig - Hunde der Rassen Mops oder Französische Bulldogge erfüllen mit ihren großen Augen und den runden Gesichtern das Kindchenschema und erfreuen sich größter Beliebtheit. Nicht zu überhören ist allerdings, wie sich die meisten der Tiere beim Atmen quälen. Denn die anatomische Beschaffenheit des Kopfes bleibt nicht ohne Auswirkungen auf die Gesundheit. Andere Rassen, wie etwa Chihuahuas, haben immer öfter Schwierigkeiten, ihre Junge auf normalem Wege zu gebären. Deutsche Schäferhunde haben teils einen dermaßen abfallenden Rücken, dass Schmerzen vorprogrammiert sind. Krankheiten des Bewegungsapparates wie Fehlbildungen der Hüftgelenkspfannen und herausspringende Kniescheiben sind bei zahlreichen Rassen weit verbreitet - und werden auch vererbt. Niemand möchte, dass es seinem geliebten Tier schlecht geht, dennoch nehmen die meisten Menschen Qualzuchten in Kauf.

Nicht nur Hunde sind betroffen
Und nicht nur Hunde leiden, weil Menschen sie in ungesunde Zuchtstandards pressen: Qualzuchtmerkmale gibt es auch bei anderen Tiere, so Martina Pluda von der Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“: „Wir sehen vermehrt Katzen mit zu platten Stupsnasen und zu großen Augen, Fischen mit unnatürlich dünnen Flossen und Vögel mit überdimensionalen Federn, die nahezu bewegungsunfähig machen. Bei Nutztieren geht es simpel um den wirtschaftlichen Nutzen für den Menschen. Das führt dann dazu, dass zum Beispiel Puten kaum mehr stehen können, weil sie auf übergroße Brustmuskulatur und hohes Gewicht gezüchtet werden, und vom vielen Liegen in der feuchten Einstreu zusätzlich Hautentzündungen bekommen.“

„Sofortiges Zuchtverbot für kranke Tiere“
Anlass genug, sich bei einer Pressekonferenz am Donnerstag gegen Qualzuchten auszusprechen. Brigid Weinzinger von pro-tier, dem Dachverband der österreichischen Tierschutzorganisationen, fordert ein sofortiges Zuchtverbot für alle Tiere, die eindeutige Qualzuchtmerkmale aufweisen: „Wenn das bedeutet, dass es bestimmte Hunderassen in Zukunft eben nicht mehr ‘reinrassig‘ gibt, dann ist das ein geringer Preis im Vergleich zum endlosen Leiden der Reinzuchten über Generationen hinweg“. Da derzeit aber sowieso neue Rassen voll im Trend liegen, könne man doch beim Mops & Co. durchaus langschnauzige Hunde einkreuzen und so die Rasse generell fitter züchten, schlägt Weinzinger vor. Bei dem Pressevent lagen eigene Atemmasken auf, mit denen man sich in die Lage kurzatmiger Rassen versetzen kann - sie werden üblicherweise von Extremsportlern eingesetzt. Keine der anwesenden Personen hielt den Selbstversuch länger als eine halbe Minute durch...

Gesetzliche Regelungen unzureichend?
Die Tierschützer beklagen, dass die bestehenden gesetzlichen Regelungen völlig unzureichend seien. Eva Persy von der Tierschutzombudsstelle Wien fühlt sich von der Bundesregierung im Stich gelassen „Es fehlen verbindliche Richtlinien, die es dem Vollzug ermöglichen, das im Gesetz im Prinzip vorgesehene Qualzuchtverbot umzusetzen. Das ist so, als würde man zwar per Gesetz das Rasen verbieten, aber nicht festlegen, wie schnell Autos im Ortsgebiet oder auf der Autobahn fahren dürfen“, kritisiert Persy. Und Weinzinger ergänzt: „Vom Gesetzgeber war es auch so gedacht - im Bundestierschutzgesetz 2005 gab es noch einen Passus, in dem das Ministerium aufgefordert wurde, eine Verordnung zur Umsetzung des Qualzuchtverbots zu erlassen - das wurde aber später einfach gestrichen und bis heute ist man untätig geblieben.“

„Krone Tierecke“ zieht Konsequenzen
„Krone“-Tierexpertin Maggie Entenfellner, die bei der Pressekonferenz die Moderation übernahm, kennt die Thematik von einer anderen Seite: „Täglich erreichen uns mehrere Anfragen von Tierbesitzerin, die angesichts der hohen Tierarztkosten für Gaumensegel-, Nasen- oder Hüftoperationen verzweifelt sind. Wir arbeiten mit Spendengeldern und das seit Jahren am Limit, weil der Mensch ständig kranke Hunde hervorbringt. Das kann eigentlich nicht sein!“ Um auch die Tierhalter in die Pflicht zu nehmen, werden schon länger keine Kosten nach Fensterstürzen von Katzen oder Welpenmafia-Käufen von Hunden mehr übernommen. „Das können und dürfen wir nicht. Und ab sofort werden wir das bei Problemen, die nachweislich durch Qualzucht entstehen, ebenso handhaben.“ 

Denise Zöhrer
Denise Zöhrer

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