Mi, 17. Oktober 2018

Eigene Sondereinheit

08.08.2018 09:11

225 Anzeigen: Jagd auf Sozialbetrüger in Tirol!

Wie kann man zwölf Jahre die Sozialversicherung abzocken, ohne dass jemand etwas bemerkt? Der Betrugsfall um jene Türkin, die seit 2006 mit der E-Card der Tochter unzählige Operationen, Spitals- und Reha-Aufenthalte abrechnen ließ, sorgt für Aufsehen und Unverständnis gleichermaßen. Dabei ist das kein Einzelfall!

„Alles auf unsere Kosten.“ Oder: „Das ist sicher nur die Spitze des Eisbergs!“ Das sind noch die harmlosesten Reaktionen im Internet, nachdem der schier unfassbare Betrugsfall am Montag bekannt geworden war. Demnach soll eine Austro-Türkin (68) in Innsbruck über zwölf Jahre hinweg ihre E-Card immer wieder an ihre nicht sozialversicherte Mutter weitergegeben haben. Und diese ging dann damit auf Behandlungstour. Der Sozialversicherungsanstalt entstand bisher ein Schaden von über 50.000 Euro.

225 Fälle in einem Jahr
Aufgedeckt hat den Fall die polizeiliche Ermittlungsgruppe „Sozialbetrug“. Diese Einheit wurde im Juni 2017 in Tirol ins Leben gerufen - und hat seitdem alle Hände voll zu tun. „Allein im ersten Jahr wurden 225 Gerichtsdelikte angezeigt. Die gesamte Schadenssumme belief sich bis Juni auf rund 946.000 Euro. Mittlerweile wurde die Millionengrenze überschritten“, so Harald Baumgartner von der Fremdenpolizei, in der die Gruppe eingegliedert ist.

Umzug verschwiegen
Erinnerungen an einen weiteren krassen Fall werden wach. Im Mai konnten die Ermittler eine türkischstämmige Frau (39) entlarven, die den Behörden ihren Umzug von Jenbach in ihr Heimatland verschwiegen und ganze zwölf Jahre weiter Sozialleistungen bezogen hatte. Schaden in diesem Fall: über 100.000 Euro!

Teils kommt es in Tirol zu Schadenswiedergutmachungen. Allein in vier Fällen wurden insgesamt 112.000 Euro zurückbezahlt. Um zumindest gegen die E-Card-Betrügereien Abhilfe zu schaffen, sollen die Karten ab 2020 mit einem Foto versehen werden.

Hubert Rauth
Hubert Rauth

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