Bei Übergewicht

Deutsche Forscher wollen Fett mit Fett bekämpfen

Wissen
02.12.2009 13:58
Deutsche Wissenschaftler haben einen vielversprechenden neuen Ansatz gegen die Fettleibigkeit entdeckt. Forscher der Universität Bonn wollen die Produktion und Funktion sogenannter brauner Fettzellen anregen, die bei Menschen und Tieren als eine Art natürliches Heizaggregat wirken, um so unerwünschte Fettpölsterchen zu "verbrennen". Veröffentlicht haben sie ihre Ergebnisse am Dienstag in der Zeitschrift "Science Signaling".

Braunes Fettgewebe unterscheidet sich von weißen Fettpölsterchen: Es enthält massenhaft sogenannte Mitochondrien, die wie Minikraftwerke funktionieren und unter anderem Fett "verbrennen" können. Normalerweise erzeugen sie dabei ähnlich wie eine Batterie eine Spannung, die wiederum die Energie für zelluläre Prozesse liefert. Die Mitochondrien der braunen Fettzellen haben aber quasi einen Kurzschluss und laufen deshalb permanent auf Hochtouren. Die dabei frei werdende Energie verpufft bei ihnen als Wärme.

Braunes Fett wirkt wie Heizaggregat
„Das ist auch so gewollt“, erklärt Dr. Alexander Pfeifer vom Pharmazentrum Bonn. „Braunes Fett wirkt wie ein natürliches Heizaggregat. Säuglinge etwa würden ohne diesen Mechanismus sehr schnell auskühlen.“ Bislang dachte man, dass braunes Fett nur bei Neugeborenen vorkommt und mit dem Alter verloren geht. Jetzt konnten jedoch verschiedene Forschergruppen nachweisen, dass das nicht stimmt: Auch Erwachsene haben demnach in ihrer Nackenregion ein braunes Fettdepot. Bei stark übergewichtigen Personen ist dieses Depot aber nur wenig aktiv oder fehlt fast ganz.

Enzym schaltet "Heizung" an
Die Forscher aus Bonn, Heidelberg, Köln, Martinsried und dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) konnten nun zeigen, welche Signale den Körper zur Produktion brauner Fettzellen anregen. Eine Schlüsselrolle übernimmt dabei ein Signalweg, der von einem Enzym namens PKG gesteuert wird. Dieser bewirkt, dass sich die Stammzellen des Fettgewebes zu braunen Fettzellen entwickeln. Dazu schaltet er die massenhafte Produktion von Mitochondrien an und sorgt für die Bildung von UCP – das ist die Substanz, die den Kurzschluss hervorruft. „Wir konnten zudem zeigen, dass PKG braune Fettzellen für Insulin empfindlich macht“, erklärt Pfeifer. „PKG steuert also auch, wie viel Fett überhaupt verbrannt wird.“

Fett mit Fett bekämpfen
Die Forscher vermuten, dass eine Störung des braunen Fettgewebes bei Erwachsenen zu Übergewicht führen kann. Könnte man bei ihnen das „natürliche Heizaggregat“ wieder anschalten, dürfte es mit den unerwünschten Fettpölsterchen rasch vorbei sein: 50 Gramm aktives braunes Fettgewebe reichen nach ihren Schätzungen aus, um den Ruheenergieverbrauch um 20 Prozent in die Höhe zu treiben. 

„Bei gleicher Ernährung und Aktivität würden die Fettreserven um fünf Kilo pro Jahr abschmelzen“, erläutert der Bonner Pharmakologe. „Das macht unsere Ergebnisse natürlich auch aus therapeutischer Sicht interessant: Indem wir den PKG-Signalweg im braunen Fett aktivieren, wollen wir gewissermaßen Fett mit Fett bekämpfen.“

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