Mo, 23. Juli 2018

Wie im „Dschungelbuch“

03.07.2018 06:00

Brasilianerin wuchs in Höhle im Regenwald auf

Ihre Geschichte ähnelt an die Handlung im Jugendbuchklassiker „Das Dschungelbuch“: Christina Rickardsson lebte als Kleinkind fünf Jahre im brasilianischen Regenwald in einer Höhle, musste sich vor Raubkatzen verstecken und tötete sogar ein anderes Kind im Kampf um einen Laib Brot. Heute setzt sich die 35-Jährige für Straßenkinder ein.

In „Das Dschungelbuch“ wuchs der Hauptdarsteller Mogli in Indien bei Tieren auf. Rickardssons Kindheit im Regenwald war jedoch nicht so unbeschwert und fröhlich wie in der von Walt Disney verfilmten Zeichentrickversion …

Die schöne Brasilianerin wurde in Diamantina geboren. Als sie nur 15 Tage alt war, flüchtete ihre Mutter vor ihrem Bruder, der sie missbraucht hatte. Sie versteckte sich mit dem Säugling vor ihrer Familie in einer Höhle. In ihrer Zeit im Dschungel ernährte Rickardsson sich von Beeren und Vögeln, die sie gemeinsam mit ihrer Mutter mit einer Steinschleuder jagte.

In ihrer Biografie schreibt sie: „Ich gewann durch die Jagd und die Nahrungssuche Selbstvertrauen. Ich erinnere mich immer noch an meinen immensen Stolz, als ich meinen ersten Vogel fing, den wir über unserer winzigen Feuerstelle gegrillt hatten.“ Ihre Erlebnisse aus ihrer Kindheit hat sie in dem Buch „Never Stop Walking“ (deutsch: „Hör nie auf weiterzugehen“) festgehalten.

Die Zeit im Dschungel war sehr gefährlich: Giftige Schlangen, Spinnen und Skorpione waren nur einigee der Risiken. Besonders Jaguare, die auch Menschen töten können, machten den beiden Angst: „Das Knurren reichte, um meine Mutter und mich vor Angst erzittern zu lassen“, schildert Rickardsson in ihrem Buch.

Anderes Kind mit Glasscherbe getötet
Im Alter von fünf Jahren wurden sie aus ihrer Höhle vertrieben, Mutter und Tochter lebten anschließend auf den Straßen von Sao Paulo. Dort schlugen sie sich mit Betteln nach Essen und Geld durch. Während dieser Zeit tötete sie ein anderes Kind: Es ging bei dem Kampf um einen Laib Brot aus einer Mülltonne. Rickardsson fand eine Glasscherbe am Boden und rammte sie ihrem Kontrahenten in den Bauch - später erfuhr sie, dass der Bub gestorben war. „Nachdem ich ein Stück weggelaufen war, fing ich an zu essen. Aber dann musste ich mich übergeben. Die Erkenntnis darüber, was ich getan hatte, traf mich wie der Blitz", so Rickardsson.

Nach zwei Jahrzehnten fand sie ihre Mutter wieder
1991 wurde sie schließlich von ihrer Mutter getrennt und kam in ein Waisenhaus, wurde dann von einer Familie in Schweden adoptiert. Erst nach mehr als 20 Jahren kehrte sie wieder in ihre Heimat zurück, fand ihre Mutter wieder und gründete eine Wohlfahrtsorganisation. Sie will Straßenkindern eine Stimme geben.

„Aktuell leben über sieben Millionen Straßenkinder in Brasilien und auf der ganzen Welt Millionen von Kindern, die auf der Flucht sind. Wir müssen ihnen helfen, ihnen eine Zukunft geben“, schreibt Rickardsson auf Instagram.

Miriam Krammer
Miriam Krammer

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