28.11.2009 19:05 |

Steiniger Weg

Rinner hofft auf Teamwork - doch Rapid legt sich quer

Hans Rinner hat sich nach seiner Designierung zum neuen Präsidenten der Bundesliga mit öffentlichen Jubelmeldungen zurückgehalten. Einen lautstarken und omnipräsenten Liga-Boss wird man auch in Zukunft nicht zu sehen bekommen, betonte der Chef von Sturm Graz. Vielmehr gehe es ihm darum, den Stellenwert des österreichischen Fußballs zu heben - in enger Zusammenarbeit mit dem ÖFB und allen Clubs. Doch das dürfte ein steiniger Weg werden...

"Die richtige Bezeichnung meines künftigen Amts ist eigentlich Vorsitzender des Aufsichtsrates. Ich habe nicht vor, als Vorstand zu agieren. Ich werde ein Impulsgeber sein, der von außen beurteilt, wie die Arbeit abläuft, aber ich werde nicht in Tagesthemen eingreifen. Meine medialen Auftritte werden sich in Grenzen halten", so der bisherige "Liga-Vize".

Offizielle Kür nur noch Formsache
Nach dem Votum zu seinen Gunsten am Freitag im Rahmen der Präsidentenkonferenz ist die offizielle Kür bei der Hauptversammlung am 7. Dezember wohl nur noch Formsache. Vier Jahre dauert dann Rinners Amtszeit als höchster Liga-Funktionär, und in dieser Rolle will er für deutliche Verbesserungen sorgen. "Mein Ziel ist es, dass sich die Bundesliga Ende 2013 so etabliert hat, dass die Anerkennung des heimischen Profi-Fußballs weit über dem heutigen Level steht."

Dazu benötigt der 46-jährige Unternehmer aber auch die Unterstützung von Rapid, Austria, Salzburg und Ried, die sich für tipp3-Vorstand Dietmar Hoscher aussprachen. "Mit Austria und Salzburg habe ich nach der Präsidentenkonferenz Gespräche geführt. Sie haben mir bestätigt, dass sie im Interesse des österreichischen Fußballs arbeiten und den Wahlvorschlag gutheißen werden."

Rapid-Boss "droht immer wieder mit Alleingängen"
Etwas schwieriger könnte sich die Kooperation mit Rapid gestalten, immerhin wurde Hoscher von Präsident Rudolf Edlinger massiv forciert. "Für ihn war es auch ein bisschen eine persönliche Niederlage, da kann ich eine gewisse Verschnupftheit verstehen", erklärte Rinner. Die Drohungen Edlingers, wonach sich der populärste Verein des Landes künftig selbst vermarkten könnte, lassen Rinner relativ kalt. "So wie ich ihn kennengelernt habe, droht er immer wieder mit Alleingängen. Doch ich habe ihn dann immer als Solidaritäts-Menschen erlebt." Der Steirer sprach jedoch auch eine Warnung in Richtung des Rekordmeisters aus. "Rapid ist natürlich ein mächtiger Club, aber sich eine Sonderposition herauszunehmen, geht nicht."

Den Ärger Edlingers, dass nach Frank Stronach und Martin Pucher wieder ein Vereinschef den Bundesliga-Vorsitz übernimmt, wollte Rinner nicht überbewerten. "Das ist eben ein Steckenpferd von ihm. Aber die Doppelfunktion ist kein Problem, in Deutschland ist es ja auch gang und gäbe."

Edlinger gab bereits am Freitag bekannt, dass er bei der Hauptversammlung nicht für Rinner stimmen werde. Ob der ehemalige Finanzminister auch dem übrigen Aufsichtsrat seine Unterstützung entsagt, ließ er noch offen. Angehören sollen dem höchsten Gremium neben Rinner auch Austria-Manager Markus Kraetschmer (für den Edlinger vor knapp vier Jahren wegen dessen Angestelltenverhältnis bei den Violetten ebenfalls nicht stimmte) und Ex-Wacker-Tirol-Obmann Gerhard Stocker als Vizepräsidenten sowie Austria-Lustenau-Präsident Hubert Nagel und der neu dazukommende Red-Bull-Salzburg-Vorstand Volker Viechtbauer.

Edlinger fordert Aufsichtsrats-Platz für Rapid
"Rein von den Statuten her ist es nicht möglich, dass noch Namen dazukommen", meinte Rinner. Edlinger hatte unmittelbar nach der Pressekonferenz einen Platz im Aufsichtsrat für Rapid gefordert, er selbst hatte sich aus dem Gremium Anfang 2006 wegen der bevorstehenden Wahl Puchers zurückgezogen.

Ansonsten gab sich Rinner in Personalfragen eher zurückhaltend, so etwa auch bei der Besetzung des Vorstands. "Momentan sehe ich keinen Grund, auf dieser Position etwas zu verändern. Georg Pangl hat meines Wissens einen Vertrag bis September 2010." Die Erweiterung des Vorstands auf zwei Personen - so wie es Hoscher geplant hatte - ist bis auf weiteres ad acta gelegt, die Präsidentenkonferenz behält ihren Status als wichtigstes Gremium. "Wenn 17 oder 18 Präsidenten mit ihrem eigenen Geld haften, ist es ihr gutes Recht, auch zu entscheiden", erklärte Rinner.

Wettaffäre und Dopingproblem als Herausforderungen
Er wolle sich allerdings den vor allem von den Großclubs geforderten Reformen nicht verschließen. "Es ist wichtig, dass wir einmal die derzeitige Situation überprüfen. Wir werden Strukturgespräche führen und dann entscheiden, wo Änderungen sinnvoll sind." Allzu viel umkrempeln möchte Rinner nicht. "In den letzten Jahren ist eine gute Arbeit geleistet worden. Jetzt alles über Bord zu werfen, wäre ein fataler Fehler, aber es gibt natürlich klare Herausforderungen, denen man sich stellen muss", sagte der Steirer und nannte dabei etwa die Wettaffäre, Doping oder den rechtlichen Status der Vereine.

Sorgen über den "Unterbau"
An den aktuellen Liga-Formaten wird Rinner festhalten. "Doch man muss sich ernsthaft über den Unterbau Gedanken machen." Sorgen bereitet dem designierten Präsidenten vor allem der schwierige Übergang für Clubs vom Amateur- in den Profi-Fußball. "Da habe ich auch keinen Wunderplan. Doch wenn sich ein paar kluge Leute zusammensetzen, wird es sicher eine Lösung geben", vermutete Rinner, der in diesem Zusammenhang auch die Schaffung einer österreichweiten dritten Liga nicht ausschließt.

Seiner Meinung noch sollte die Anzahl der Profi-Vereine auf maximal 20 beschränkt bleiben. "Ich bin mir nicht einmal sicher, ob es in Österreich überhaupt das Potenzial für so viele Profi-Vereine gibt. Wenn sich herausstellen sollte, dass es das nicht gibt, wird man darüber reden müssen."

"Es sollte nicht um Eitelkeiten gehen"
Nicht nur in dieser Frage ist der ÖFB für die Liga ein entscheidender Ansprechpartner. Deswegen werde er um ein gutes Verhältnis zum Dachverband bemüht sein, so Rinner. "Wir brauchen einander gegenseitig. Es sollte nicht um Eitelkeiten, sondern um den Fußball gehen. Darum, dass wir uns sowohl im Club- als auch im Nationalteam-Ranking verbessern", meinte der Steirer, der vor eineinhalb Jahren in seiner Eigenschaft als Liga-Vize ins ÖFB-Präsidium eingezogen war.

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