Mo, 16. Juli 2018

Öffis standen still

02.07.2018 17:05

Die Steiermark war die „Streik-Hochburg“

Die Taxiunternehmer rieben sich die Hände: Die Steiermark war zu Wochenbeginn die Streik-Hochburg (siehe Seiten 14/15), auch wenn das böse „S(treik)“-Wort keiner der dafür Verantwortlichen in den Mund nehmen wollte. Wie auch immer, in den Morgenstunden war das Chaos perfekt. Hunderte Schüler und Pendler strandeten auf dem Grazer Hauptbahnhof. Betriebsversammlungen gab es auch in Industriebetrieben.

Um dreiviertel 8 Uhr, mitten im Berufsverkehr, fuhren am Montag die Busse und Straßenbahnen in Graz in die Remise. Die Öffis standen still - weil der starke Arm der Gewerkschaft es so wollte. „Das steht aber nirgends“, schimpfte ein Fahrgast an einer Haltestelle, neben ihm die elektronische Anzeigetafel. Er war nicht der Einzige, den der „Streik“ unvorbereitet traf.

1500 Mitarbeiter der Holding Graz trafen sich am Montagvormittag in der Remise Steyrergasse zu einer Betriebsversammlung, um gegen den von der Regierung geplanten 12-Stunden-Tag aufzubegehren.

„Lieber Horsti, Freundschaft!“, hieß einer Betriebsratschef Horst Schachner, gleichzeitig steirischer ÖGB-Chef, lautstark willkommen. „Schöne Grüße an den Papa“, sagte Schachner, während er einen Straßenbahner mit einem herzhaften Handschlag begrüßte. Man kennt sich.

Eindrücke von der Betriebsversammlung in der Remise Steyrergasse in Graz:

Rote und dunkelrote Prominenz
Auch AK-Präsident Josef Pesserl und die Grazer Verkehrsstadträtin Elke Kahr (KP), die im Vorfeld Verständnis für den Arbeitskampf gezeigt hatte, ließen sich anschauen. Kahr war in Begleitung ihres Parteifreundes und Stadtratskollegen Robert Krotzer erschienen.

Auf die Frage, ob das denn sein müsse, dass man gleich den ganzen öffentlichen Verkehr lahmlege, antwortete Schachner bestimmt: „Wann sollen wir die Belegschaft sonst informieren? Am 24. Dezember in der Nacht? Dann ist es zu spät!“ Und: „Ich bin 35 Jahre in dem Betrieb. In dieser Zeit hat es einen Streik und sechs Betriebsversammlungen gegeben. Man kann also nicht sagen, dass wir streiklustig sind.“

Der Gewerkschafts-Boss stieg auf das Podium. Hier seien alle versammelt, die sich, „nicht auf den Schädel scheißen lassen“, rief er ins Mikrofon und streckte die Faust in die Luft. Volksnah, werden die einen sagen, Arbeitskampf-Rhetorik, die anderen. Dann mussten die Fotografen und TV-Teams die Halle verlassen.

Die Rede von Betriebsrats-Chef Horst Schachner:

„Small Talk“ mit dem Holding-Vorstand
Währenddessen lud der Holding-Vorstand zu einem „Small Talk“ über Unternehmensthemen in die Busgarage Kärntnerstraße. Mitarbeiter, die nicht „streiken“ wollten, gingen dort hin. Immerhin 100 Leute sollen es gewesen sein.

Selbe Zeit, anderer Ort. Auf dem Grazer Hauptbahnhof standen sich gestrandete Passagiere die Beine in den Bauch. „Ausfall - Cancelled“ stand dutzendfach auf den digitalen Fahrplänen zu lesen. Viele Schüler konnten nicht mehr weiter: „Taxi in die Innenstadt können wir uns keines leisten“, erzählte man der „Krone“. Und wartete. Und wartete. Und…

Erst um 10.30 Uhr war der Spuk, genannt Betriebsversammlung, vorbei, Straßenbahnen und Busse fuhren nach und nach wieder aus. Die ÖBB stellten den Regelbetrieb zu Mittag wieder her, am Nachmittag lief alles wieder wie auf Schiene. Bleibt die Frage: Was passiert, wenn sich die Regierung unbeeindruckt zeigt…?

Ernst Grabenwarter
Ernst Grabenwarter
Gerald Schwaiger
Gerald Schwaiger

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