Mo, 22. Oktober 2018

Autostopperin starb

27.05.2018 10:40

25 Jahre nach tragischem Unfall folgt nun Prozess

Am Mittwoch müsste Branko J. (48) im Landesgericht Salzburg erscheinen. Dass er auch wirklich kommt, ist fraglich. Immerhin ist der Bosnier seit 26 Jahren angeklagt: wegen fahrlässiger Tötung. Im August 1992 verlor er in Mittersill die Kontrolle über einen gestohlenen Mercedes. Karin Sonnberger (20) starb.

Es war Schicksal, dass die junge Kärntnerin aus Eisenkappel ausgerechnet am Nachmittag des 8. August 1992 in Kitzbühl ihren Daumen für eine Mitfahrgelegenheit hochhielt. Schicksal, dass genau der Bosnier (damals 22) und sein Bruder (damals 17) an jenem heißen Sommertag vorbeifuhren und die Österreicherin im Mercedes-Benz 230e mitnahmen. Zu dritt fuhren sie gen Südost. Doch die Reise endete schrecklich: mit einem tödlichen Unfall auf der Felbertauernstraße. In einer scharfen Linksurve, direkt neben einer Mittersiller Bergbau-Firma, verlor J. die Kontrolle über den Wagen. Das Auto durchbrach die Leitschiene, überschlug sich mehrmals bis es auf einer Wiese zum Stehen kam.

Karin Sonnberger war auf der Stelle tot. Der schwer verletzte Lenker Branko J. wurde, wie auch sein ebenso verletzter Bruder, ins Krankenhaus gebracht. Laut dem damaligen Gendamerie-Bericht war J. mit „weit überhöhter Geschwindigkeit“ unterwegs. Nicht nur das: Das Auto war Diebesgut. Es wurde im Juni, knapp eineinhalb Monate vor dem Unfall, in Nürnberg in Deutschland gestohlen. An jenem 8. August war der Bosnier in Innsbruck und hatte dort das Auto gekauft - dafür besorgte er sich auch gefälschte Fahrzeugpapiere. Und wollte mit seinem Bruder wohl in die Heimat

Jedenfalls hat die Staatsanwaltschaft bald danach Anklage erhoben: wegen fahrlässiger Tötung, Hehlerei (statt Diebstahl, da J. den gestohlenen Wagen „nur“ kaufte) sowie Fälschung von geschützten Urkunden. Doch der Bosnier tauchte ab.

Ganze 25 Jahre lang wussten die Behörden nicht, wo der Mann war. Bis zum Vorjahr. Als plötzlich eine kroatische Adresse von Branko J. auf dem Bildschirm der Beamten auftauchte. Wahrscheinlich geriet der Angeklagte in eine Polizeikontrolle - möglicherweise bei einem Grenzübertritt. Dabei muss er seine Adresse angegeben haben. Umgehend fixierte das Landesgericht Salzburg einen Prozesstermin und schickte eine Ladung an den Bosnier. Doch die Verhandlung im Oktober platzte: J. kam nicht.

Nun gibt es einen neuen Termin: am kommenden Mittwoch. Ob der Todeslenker wohl dieses Mal zum Prozess erscheint? Ob er jemals eine Strafe bekommt?

Antonio Lovric
Antonio Lovric

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