So, 24. März 2019
29.10.2009 07:26

Gar nicht verstaubt

Trachtenmode und Volkskultur bei der Jugend wieder in

Der Leobner Friedrich Stradner (58) ist neuer Präsident im Bund der österreichischen Trachten- und Heimatverbände. Von klein auf prägte Brauchtum sein Leben, auch wenn er manchmal dafür belächelt wurde. Mittlerweile sind Trachten und Volkskultur wieder in, erzählt Stradner im "Steirerkrone"-Interview.

"Krone": Herr Stradner, Brauchtum, Trachten, Volkskultur: Passt das ins 21. Jahrhundert?
Friedrich Stradner: Sie passen besser als noch vor wenigen Jahrzehnten. Die Globalisierung bindet uns an unsere Heimat. Auch junge Menschen wollen ihre Wurzeln wiederentdecken bzw. behalten.

"Krone": Trachtenverbände sind also nicht verstaubt?
Stradner: Ganz im Gegenteil, das sind lebendige Organisationen. Sie wurden erneuert, legten das verstaubte Image ab und verzeichnen stetig Zuwächse. Österreichweit sind rund 13.000 Jugendliche dabei. Darauf sind wir sehr stolz.

"Krone": Welche Rolle spielt Brauchtum in Ihrem Leben?
Stradner: Bereits mein Vater war Vereinsobmann, ich bin von Kindheit an hineingewachsen. In den 1960er Jahren entsprachen Lederhose und Trachtenanzug jedoch nicht dem Zeitgeist. Ich trug sie trotzdem, wurde belächelt. Das war nicht einfach.

"Krone": Gegenwärtig wird Tracht ja wieder mehr getragen
Stradner: In der Steiermark gibt es mehr als 200 verschiedene Trachten. Viele werden selbst entworfen und geschneidert. Das schafft eine tiefe Beziehung.

"Krone": Was bedeutet für Sie eigentlich Heimat?
Stradner: Wenn man seine Heimat verlassen muss, ist man traurig. Ich war beruflich lange in Südamerika und Afrika. Mir war immer klar, dass ich nach Leoben zurückkehre.

"Krone": Wird es auch noch in 50 Jahren Trachten geben?
Stradner: Sie haben die vergangenen, schwierigen 100 Jahre überlebt und werden auch die nächsten 50 Jahre bestehen.

Daten und Fakten

  • Der Bund der österreichischen Trachten- und Heimatverbände umfasst als Dachorganisation ein breites Spektrum an Vereinen und Verbänden: Musikgruppen, Laienspiel, Mundart, Volkstanz usw.
  • In der Steiermark gibt es an die 13.800 Mitglieder, österreichweit sind es 130.000. Ein Zehntel davon sind Jugendliche.
  • Künftig wird nach dem Rotationsprinzip jedes Bundesland für ein Jahr den Präsidenten stellen. Die Steirer beginnen: Friedrich Stradner wird bis Oktober 2010 im Amt bleiben. Seine Ziele: eine stärkere Kooperation zwischen den Bundesländern, mehr Öffentlichkeitsarbeit und eine Entlastung der Ehrenamtlichen.

von Jakob Traby, "Steirerkrone"

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