Mi, 12. Dezember 2018

„Ban Hate“ aus Graz

21.03.2018 13:24

Melde-App gegen Hass im Netz: Schockierende Bilanz

Wiederbetätigung, Verhetzung, Drohungen – der Hass im Internet ufert aus. Vor einem Jahr schuf die Antidiskriminierungsstelle in Graz eine wegweisende Möglichkeit, verbale Gewalt anzuzeigen: die „Ban-Hate“-App. Der Zuspruch war viel größer als erwartet, erklärten die Verantwortlichen in einer ersten Bilanz. Und: Die Täter sind meist keine Jugendlichen.

1716 Meldungen wurden mit der App „Ban Hate“ (deutsch: „Verbanne den Hass“) seit April 2017 gemacht. Immerhin 910 dieser Hasspostings wurden an Behörden weitergereicht. „Das sind viel mehr als erwartet“, zog Projektleiterin Daniela Grabovac von der Antidiskriminierungsstelle Bilanz – und las grauenhafte Beispiele vor: von Verhetzung gegen Schwule und Flüchtlinge bis zu Geburtstagsgrüßen für Hitler. Überhaupt sei Wiederbetätigung – darunter fällt etwa auch die Holocaust-Leugnung – groß in Mode, so Grabovac, die 366 Posts beim Verfassungsschutz melden musste.

Auch der leitende Staatsanwalt in Graz, Thomas Mühlbacher, hatte dank der „Ban-Hate“-App, die insgesamt 980-mal heruntergeladen wurde, alle Hände voll zu tun. Seit der Flüchtlingskrise hätten sich die Fälle verdreifacht, die meisten Täter seien über 30. „Hasspostings sind kein Jugendphänomen“, so Mühlbacher, der statt Freiheitsstrafen (bis zu fünf Jahre gibt’s für Verhetzung) lieber mehr Diversionen hätte, um bei Tätern ein Umdenken zu bewirken.

Dafür ist der Verein Neustart zuständig, dessen Leiterin Susanne Pekler Einblicke in die Arbeit mit Hass-Postern gab: Vielen sei nicht bewusst, dass verbale Gewalt im Netz strafbar ist – und zwar auch das Liken oder Teilen derselben. Eine Bildungslücke, die behoben gehört. Weshalb Sozialstadtrat Kurt Hohensinner auch forderte: „Wir müssen mit der Aufklärung schon in der Schule ansetzen.“

Matthias Wagner
Matthias Wagner

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