"Krone": Herr Doktor, wie sehen Sie als Ärztekammer-Vizepräsident und Spitalsärztesprecher die Situation?
Dr. Martin Wehrschütz: Die Situation spitzt sich zu! Das sagen mir nicht nur meine Kollegen aus anderen Spitälern, das weiß ich auch aus eigener Erfahrung. In der Radiologie des LKH Graz haben wir jedes Jahr Abertausende Patientenkontakte. Wir sind also alles andere als unterbeschäftigt. Wenn aber noch dieser enorme administrative Aufwand dazukommt, wird's kritisch.
"Krone": Warum?
Wehrschütz: Egal ob Facharzt, Primar, Assistent oder Turnusarzt - wir leiden darunter, nicht mehr nur beim Patienten sein zu können. Einmal ist hier ein Antrag auf Kur zu schreiben, einmal ist dort eine Bestätigung an die Krankenkasse zu verfassen. Wir ersticken in der Zettelwirtschaft!
"Krone": Wie viel Prozent der Arbeitszeit müssen Sie für die Verwaltungstätigkeiten aufwenden?
Wehrschütz: Unfassbare 60 Prozent der Arbeitszeit sitzen wir mittlerweile vor dem Computer, nur noch 40 Prozent sind für die Kranken reserviert. Besonders schlimm ist's bei Turnusärzten und Assistenten, deren Ausbildung darunter leidet. Da geht's immerhin um die Sicherheit und Gesundheit von Menschen.
"Krone": Gibt's schon Patientenbeschwerden?
Wehrschütz: Zum Glück ist mir da noch nichts Gravierendes bekannt. Aber wehret den Anfängen!
"Krone": Was ist Ihr Appell?
Wehrschütz: Schluss mit der überbordenden Bürokratie! Wir möchten, dass die administrativen Tätigkeiten von geschultem Personal erledigt werden und sich die Ärzte auf ihre eigentliche Profession konzentrieren können. OP-Befunde schreiben wir natürlich weiter.
"Krone": Was würden Hilfskräfte kosten?
Wehrschütz: Am Anfang muss man halt investieren. Aber in zwei bis vier Jahren, wenn die Abläufe vereinfacht worden sind, sehe ich sogar Einsparungspotenzial im Spitalsbereich!









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