Mi, 18. Juli 2018

Stromunfall überlebt

16.02.2018 08:30

„Jeder, der raufsteigt, ist einer zu viel“

Im März 2016 geriet der Tiroler Simon (Name von der Redaktion geändert) auf dem Innsbrucker Frachtenbahnhof in eine Hochspannungsleitung. Über 10.000 Volt entluden sich durch seinen Körper. Solche Unfälle passieren immer wieder. Simon ist einer der wenigen Fälle in ganz Österreich, der überlebt hat. Mehr als die Hälfte seines Körpers war verbrannt. Sechs Monate lang dauerte sein Weg zurück.

Ein greller Blitz, ein lauter Knall. Simon liegt am Boden und schreit vor Schmerzen. Er brennt. „Das war vor zwei Jahren ich war gerade einmal 17“, erinnert er sich. Simon ist in eine Hochspannungsleitung eines Bahnhofs geraten. Er ist auf einen Güterwaggon geklettert, ausgerutscht und wollte nach oben greifen. Die Spannung von 15.000 Volt schießt durch seinen Körper durch und schleudert ihn vom Waggon. „Ich bin am Boden gelegen und hab nur noch geschrien. Ein Freund, der dabei war, hat mich, so absurd es klingen mag, gelöscht und Erste Hilfe geleistet. Ihm verdanke ich, dass ich heute hier stehen kann“ , erzählt Simon.

Beinahe sicherer Tod
Einen Stromunfall dieser Größenordnung überleben nur die wenigsten. In Österreich passieren immer wieder solche Unfälle. Beinahe jeder davon endet tödlich. „Wir appellieren dringend an Jugendliche, niemals auf abgestellte Güterwaggons zu klettern! Diese sind kein Spielplatz“, sagt Christoph Mair, Pressesprecher der ÖBB. Die Opfer der Unfälle erliegen meistens ihren massiven Verbrennungen. 

"Die Ärzte haben mich quasi geschält"
„60 Prozent meiner Haut sind betroffen. Klingt schlimmer als es ist, ich könnte immerhin tot sein.“, betont Simon, während er seine Hauttransplantationen zeigt. Für diese zogen die Ärzte Simon Hautstreifen von seinem Oberschenkel ab. „Das waren die schlimmsten Schmerzen meines Lebens. Die Ärzte haben mich quasi geschält“, erinnert sich der inzwischen 19-jährige. Ein halbes Jahr war Simon in Behandlung.

Viel nachgedacht
Das ist alles zwei Jahre her. Trägt Simon lange Hosen und einen Pullover sieht man nicht, dass er einmal fast das Leben lassen musste. Dennoch beschäftigt es ihn: „Als der Unfall in St. Johann passiert ist, hab ich wieder viel nachgedacht. Jeder der da raufsteigt ist für mich einer zu viel.“ 

Felix Stippler

 krone.at
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