'Warum mein Kind?'

Vater schrieb Roman über Tod seiner Tochter

Steiermark
18.08.2009 23:47
17 Jahre ist es jetzt her, dass die kleine Sabine (rechts im Bild), damals noch nicht einmal sechs Jahre alt, nach einer gewöhnlichen Mandeloperation ins Koma fiel und daraus nicht mehr erwachte. Nun hat der Vater (links im Bild) des Mädchens ein Buch über das Erlebte geschrieben - einen durchaus verstörenden Kriminalroman.

Nicht nur die "Krone" hat damals umfassend über das Schicksal des kleinen Mädchens aus der Obersteiermark berichtet. Die knapp Sechsjährige hatte eine Mandeloperation hinter sich. Nur vier Stunden nach der Entlassung aus dem Spital und vor den Augen der Eltern und des kleinen Bruders schoss ihr plötzlich Blut aus dem Mund.

Wochenlanger Kampf
Die Stunden danach waren dramatisch, gipfelten in einer Notoperation. Die erhielt das Kind am Leben - vorerst. Sieben Wochen lang war Sabine klinisch tot. An ihrem Krankenbett spielten sich schreckliche Szenen ab, verzweifelte Eltern, Vorwürfe gegen die Ärzte. Schließlich hörte das Herz der Kleinen auf zu schlagen.

Ermittlungen gegen Arzt eingestellt
Gegen einen der Ärzte wurde wegen fahrlässiger Körperverletzung ermittelt, umfassende Untersuchungen wurden eingeleitet. Die Klinik selbst aber machte deutlich, dass es kein Kunstfehler war, sondern eine normale Komplikation. "Und so ist es schließlich auch ausgegangen", sagt der Vater, Wolfgang Klemmer, verbittert. "Ein Jahr später hieß es schließlich, unser Kind wäre durch die mechanische Einwirkung eines Speisebrockens gestorben, der hätte die Naht aufgerissen. Als hätten wir unserer Puppe Glasscherben zu essen gegeben…" Verfahren gab es keines.

"Schicksal eines geläuterten Rächers"
Wolfgang Klemmer, der nach dem Tod des Mädchens massive Probleme hatte - Alkohol, Scheidung, kriminelle Verwicklungen - hat das nun in einem Buch verarbeitet. "Warum mein Kind?" (Kral Verlag) heißt es und ist in zwei Wochen im Handel. Klemmer beschreibt in seinem Buch das "Schicksal eines geläuterten Rächers". Die "Steirerkrone" hat den Autor zum Gespräch gebeten:

Herr Klemmer, warum 17 Jahre später ein Buch?
"Sagen wir so: Es ist ein Versuch der Aufarbeitung, und ich lege Wert darauf, dass es ein Roman ist. Sonst klagen da ein paar Leute."

Das Buch ist verstörend - allerdings am meisten durch die Vaterfigur, die Sie selbst so beschreiben: Er gerät "in kriminelle Machenschaften, verstrickt sich in Mordkomplotte". Er will sogar den Arzt töten! Wie viel davon steckt in Ihnen?
"Ja, ich wollte Selbstjustiz üben. Es gab konkrete Pläne dafür. Aber dazu ist man im Endeffekt nicht fähig, wenn man ein normaler Mensch ist."

Würden Sie sich selbst als psychisch stabil bezeichnen?
"Ja. Ich habe dahingehend einen Schalter umgelegt."

Was hat sich nach Sabines Tod ereignet?
"Ich hatte viele Probleme - Alkohol, Scheidung. Aber ich hab mich erfangen, habe gesunde Kinder und eine wunderbare Frau."

Haben Sie mit dem letzten Kapitel des Buches das "Kapitel" irgendwie abschließen können?
"Die eigene Tochter vergisst man nie..."

von Christa Blümel ("Steirerkrone") und steirerkrone.at

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