Massen an Schnee

“Es war ein Kampf gegen die Angst”

Steiermark
04.08.2009 15:36
Unglaublich, was die Technik kann! Kurz nachdem das Österreicher-Trio Stangl/Göschl/Kaltenbrunner am Dienstagnachmittag nach ihrem Rückzug vom K2 das Lager III auf 7.300 Metern erreicht hatte, sprach "Steirerkrone"-Redakteur Werner Kopacka mit Chris Stangl (im Bild) am Satelliten-Telefon. Müde wirkte er, der Skyrunner. Und enttäuscht. "Es war ein Kampf gegen die Angst", sagt er. "Die Gerlinde hat's besonders getroffen – die war den Tränen nahe."

Ihr habt 8.300 Meter erreicht. Der Gipfel – 8.611 Meter – war zum Greifen nahe. Wie war die Situation, als ihr Euch zum Umdrehen entschieden habt?
"Es ist nicht mehr gegangen. Zuletzt haben wir in einer Stunde gerade 30 Wegmeter geschafft. Der Schnee ist dort oben hüfthoch und grundlos tief. Es ist, als würde man in Kristallzucker waten. Jeder der 15, die dabei waren, hat Spurarbeit geleistet. Auf 8.300 Metern haben wir kurz beraten und gemeinsam beschlossen, den Gipfelgang abzubrechen. Es war schon 15 Uhr. Wenn wir es doch bis zum Gipfel geschafft hätten, hätten wir nachts absteigen müssen."

Wie hat Gerlinde Kalten-brunner, für die der K2 ja der 13. von 14 Achttausendern gewesen wäre, die Entscheidung verkraftet?
"Die Gerlinde ist eine tolle Frau und hat meinen ganzen Respekt. Sie hat – im Gegensatz zu der Koreanerin, die sie vor zwei Tagen mit dem 13. Achttausender 'überholt' hat – alle Berge ohne Sauerstoffhilfe bestiegen. Das ist eine ganz andere Liga. Die Gerlinde hat jetzt zum zweiten Mal umdrehen müssen. Sie war vor wenigen Tagen am K2 ja schon auf 8.200 Metern. Für sie war es unheimlich schwer. Das Wetter war ja ideal. Kein Wind, keine Wolken, nur der abgrundtiefe Schnee. Gerlinde hat die Entscheidung tapfer akzeptiert – aber sie war dabei den Tränen nahe. Es tut mir für sie leid."

Ihr ward oberhalb des Bottlenecks, habt die schwierigste Stelle also gemeistert.
"Das hat das Umdrehen ja noch schwerer gemacht. Aber wir haben erkannt, dass das alles mit Bergsport nichts mehr zu tun hat. Es war nur noch ein permanenter Kampf gegen die Angst!"

Damit wird's wohl in dieser Saison keine K2-Besteigung mehr geben.
"Wir fliegen jetzt nach Hause. Schluss! Im Basislager ist noch eine Gruppe von Japanern. Die wollen es am 8. August mit Sauerstoffhilfe noch einmal probieren. Ich wünsche ihnen viel Glück. Ob ich jemals wieder hierher komme, weiß ich nicht. Ich war im Vorjahr hier, da sind elf Menschen am Berg gestorben. Der K2 mag mich wohl nicht."

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