16.03.2009 17:00 |

Nach Liebes-Outing

Pfarrer Josef Friedl nicht länger Dechant

Der Pfarrer von Ungenach (Bezirk Vöcklabruck), Josef Friedl, der sich vor kurzem öffentlich zu seiner Lebensgefährtin bekannt hatte, ist nicht mehr länger Dechant. Das wurde am Montagnachmittag bei einem Treffen mit dem Linzer Diözesanbischof Ludwig Schwarz, bei dem Friedl Rede und Antwort stehen musste, vereinbart. Als Pfarrer bleibt Friedl aber vorerst weiter im Amt. krone.at hat sich aus diesem Anlass bei den Österreichern umgehört, was diese zum Thema "Zölibat" zu sagen haben!

Diözesanbischof Schwarz teilte die Entscheidung nach einem Treffen mit Friedl den Medien mit. Zu den näheren Umständen von Friedls "Lebenspartnerschaft" seien in nächster Zeit weitere Gespräche nötig, so Schwarz weiter.

"Der Herr Bischof wird etwas verlesen", gab sich Friedl im Anschluss an das Treffen wortkarg. Er dürfe zwar reden, wolle aber nicht, erklärte Geistliche. Unmittelbar nach seinem "Outing" hatte sich Friedl noch zuversichtlich gezeigt und erklärt, Angst vor Konsequenzen habe er nicht.

Bischof verlas Stellungnahme
Auch Schwarz zeigte sich nun nicht viel gesprächiger und verlas eine Stellungnahme, Fragen beantwortete er nicht. Der 65-jährige Friedl habe öffentlich und von sich aus erklärt, dass er sich in den vergangenen Jahren nicht an das bei der Priesterweihe gegebene Versprechen, ehelos zu leben, gehalten habe und er zu dieser Beziehung stehe, so Schwarz. "Unseren Dienst als Priester haben wir beide mit dem Zeichen der Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen übernommen. Diese Regel gilt auch heute noch und ist in ihrer Gültigkeit ganz klar auf weltkirchlicher Ebene unterstrichen worden."

Friedl seines Dechant-Amtes enthoben
Der Bischof berichtete, dass er selbst und Generalvikar Severin Lederhilger als Personalverantwortlicher in den vergangenen Tagen mit dem Ungenacher Geistlichen Kontakt gehabt und nun Folgendes vereinbart hätten: "Pfarrer Friedl nimmt zur Kenntnis, dass er mit Wirkung vom heutigen Tag seines Amt als Dechant enthoben wird." Die Unvereinbarkeit seiner nun persönlich deklarierten Lebensform mit dem ursprünglichen Versprechen verlange jetzt eine nähere Klärung dessen, was bisher öffentlich immer wieder als seine "Lebenspartnerschaft" dargestellt worden sei.

Seit 1977 Seelsorger in Ungenach
Friedl ist seit 1977 Seelsorger in Ungenach, seit 1980 steht er der Gemeinde als Pfarrer vor. Spätestens seit dem seinem Engagement für Arigona Zogaj und ihre Familie gilt er als streitbar. Seinen Schwerpunkt hat der 65-jährige Geistliche von Beginn an auf die Jugendarbeit gelegt.

Friedl stammt aus Münzkirchen im Bezirk Schärding. Nach seiner Priesterweihe 1968 arbeitete er zunächst in Gallspach (Bezirk Grieskirchen) und in Steyr-Ennsleite als Kaplan sowie in Vöcklabruck als Religionslehrer. Dort baute er auch ein Jugendzentrum auf. 1984 absolvierte er in den USA eine Ausbildung zum Familientherapeuten.

Bekannt seit dem "Fall Zogaj"
Der engagierte Pfarrer mit Kanten gilt als beliebt und wird überregional geschätzt. Besonders bei jungen Menschen kommt er wegen seiner sehr modernen Ansichten gut an. In seinem Pfarrhof beherbergte er schon mongolische Asylwerber. Der breiten Öffentlichkeit wurde er durch seinen Einsatz für die Zogajs. Das brachte ihm aber neben Zuspruch auch Kritik aus konservativen Kreisen ein.

Noch unbeliebter wurde er in konservativen Kreisen als Teilnehmer an der Dechanten-Konferenz, die mehrheitlich die Kür Gerhard Maria Wagners zum Weihbischof ablehnte und damit eine bisher einmalige Entwicklung in der Diözese auslöste. Mittlerweile ist Wagners Weihe vom Tisch.

Friedl für "Zölibat auf Zeit"
Kurz danach wurde Friedls bereits früher gemachtes und kürzlich wiederholtes Eingeständnis, dass er mit einer Frau zusammenlebe, von konservativen Kirchenkreisen zum Thema gemacht und er als einer der "Anti-Rom-Dechanten" bezeichnet. In einer Stellungnahme trat Friedl die Flucht nach vorne an und für einen "Zölibat auf Zeit" ein, um dem Priestermangel wirksam zu begegnen. Eine Koexistenz von zölibatären und verheirateten Priestern könne die Kirche menschlicher und glaubhafter machen, sagte er. Schließlich sei immer das Gewissen die letzte Instanz.

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