"Krone"-Interview

Drogen in der Karlau

Steiermark
06.03.2009 13:07
In Wien ist eine achtköpfige Dealer-Bande verhaftet worden, die Kokain, Heroin und Cannabis verkauft hatte. Das Hauptgeschäft machte sie - in der Grazer Karlau! "Krone"-Redakteur Manfred Niederl sprach mit Brigadier Franz Hochstrasser (im Bild), dem Leiter der Strafanstalt: über das Drogenproblem, das "draußen", aber auch "drinnen" unlösbar ist.
Herr Brigadier, stimmt das mit den Drogendeals?

"Ja. In der Strafanstalt befinden sich derzeit

507 Häftlinge. 70, schätze ich, haben auch hinter Gittern Drogen konsumiert. 25 von ihnen machen derzeit eine Therapie."

Die Karlau wird doch streng bewacht. Wie kommt der "Stoff" herein? 
"Da gibt es viele Möglichkeiten. Freigänger haben die Drogen im Rocksaum eingenäht ins Gefängnis geschmuggelt. Oft sind Tennisbälle über die Anstaltsmauer geflogen - bis wir draufgekommen sind, dass sie mit Haschisch oder Substitol-Tabletten gefüllt waren. Oder wenn Insassen den Gehsteig rund ums Areal reinigen - immer wieder können sie in Berührung mit Dealern kommen. Ganz zu schweigen von den Besucherkontakten." 

Haben Sie von der Verhaftung der achtköpfigen Bande in Wien gehört? 
"Details kenne ich keine. Ich weiß nur, dass einer unserer Häftlinge von Beamten des Landeskriminalamtes Niederösterreich vernommen wurde. Dass er von seinem Sohn mit diversen Drogen beliefert worden sein soll, habe ich erst von Ihnen, Herr Niederl, erfahren." 

Wie reagieren Sie nun auf die Vorkommnisse? 
"Erst einmal möchte ich zwei Dinge feststellen. Zum einen ist das Drogenproblem nicht nur draußen in Freiheit, sondern auch drinnen hinter Gittern ein offenbar unlösbares. Zum anderen sind lückenlose Kontrollen - schon auf Grund der Personalsituation - unmöglich. Trotzdem werden und müssen wir reagieren." 

An welche konkreten Maßnahmen denken Sie? 
"Darauf zu antworten, ist noch verfrüht. Seit Anfang Jänner jedenfalls befasst sich eine Arbeitsgruppe mit dem akuten Drogenproblem in der Karlau. Ärzte, Psychologen und Leitende Offiziere beraten über bessere Kontrollmöglichkeiten und bessere Therapien." 

Wann erwarten sie entsprechende Ergebnisse? 
"Ich denke, dass die Experten und ich spätestens im April über ein Konzept diskutieren werden."

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