"Der Große Bruder beobachtet dich" - auf dieses Konzept setzen Innenministerium und Polizei seit dem 1. Jänner 2005. Im Rahmen des Sicherheitspolizeigesetzes dürfen öffentliche Plätze zur Gewaltprävention überwacht werden. Graz und Bruck, seit jeher "heiße Pflaster" in Sachen Kriminalität, griffen gern auf diese neue Regelung zurück.
Das System (hat) funktioniert
In der Landeshauptstadt hat sich die Maßnahme voll bewährt, noch immer schrecken Videokameras - etwa auf dem Jakominiplatz oder am Hauptbahnhof - Vandalen und Kriminelle ab, auch Kameras in Öffis sollen folgen. Mehr Sicherheit sei eingekehrt, ziehen ÖVP-Bürgermeister Siegfried Nagl und die Grazer Polizei positiv Bilanz.
Das Wissen um Videoaufzeichnung wirke abschreckend, so Gerhard Lecker von der Bundespolizeidirektion Graz: "Die überwachten Plätze sind sicherer geworden. Im Einflussbereich der Kameras gehen die strafrechtlich relevanten Handlungen gegen Null!"
Auch in der Kornmesserstadt bewirkte das elektronische Auge der Exekutive Wunder: Unruhestifter machten recht schnell einen Bogen um den überwachten Minoritenplatz.
Das liebe Geld
Jetzt ist alles anders. Und schuld ist offenbar das liebe Geld: Weil man sich den Betrieb der Kameras inklusive Personal schlicht nicht mehr leisten konnte oder wollte, wurden sie kurzerhand abmontiert. Und das nach nur ein paar Monaten und obwohl geplant war, die erfolgreiche "Big Brother"-Aktion auszubauen. "Früher war's so schön ruhig in der Stadt, jetzt geht's bei uns wieder rund!", klagten einige erboste Brucker der "Steirerkrone".
Kein ÖBB-Rückzieher
Die ÖBB hingegen machen keinen Rückzieher: Auf den obersteirischen Bahnhöfen Leoben, Kapfenberg und Judenburg sowie im Grazer Raum wird weiter videoüberwacht...
von Jörg Schwaiger und Ernst Grabenwarter, "Steirerkrone"
Symbolbild
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