Zittern um Job

Postler in Angst vor dem “Blauen Brief”

Steiermark
12.11.2008 00:03
Angst, eine vermeintliche Bedrohung spüren - das kennen wir alle, und das klingt banal. Sitzt man aber Menschen gegenüber, die, von Albträumen gequält, mit der Bedrohung Arbeitslosigkeit konfrontiert sind: Das ist dann real; da wird einem angst und bange. Gerhard Felbinger und Gerald Schwaiger im Gespräch mit einem Familienvater, der um die Existenz zittert. Wie Tausende andere bei der Post! Und der selbstverständlich anonym bleiben will. Weil er doch noch die kleine Hoffnung hat, den Job zu behalten...

Verunsicherung hängt in der Luft, das spürt man schon beim Betreten der Grazer Postfiliale. Scheue Blicke, hängende Schultern, Menschen, jeglichen Selbstbewusstseins beraubt.

Faymann: Vorerst keine Postämterschließungen - siehe Infobox!

Der Einzige, der uns etwas sagen möchte, weil "die Leute da draußen endlich wissen sollen, wies bei uns zugeht", ist ein 45-jähriger Familienvater, seit fast einem Vierteljahrhundert Postler mit Leib und Seele. Einer, der sein Handwerk von der Pike auf gelernt hat, der immer stolz war auf sein "gelbes Blut in den Adern". Jetzt, da die Schließungspläne publik geworden sind, ist dieser Stolz der Enttäuschung gewichen. Da nagt der Frust, da lässt die Existenzangst keinen ruhigen Schlaf mehr zu.

"Zittern um die Hackn"
"Am meisten trifft mich der Umgang der Vorgesetzten mit uns. Keiner sagt uns etwas, wir bekommen nur Druck von oben. Da gibt es Telefonkonferenzen, wo dir mitgeteilt wird, du hast dieses und jenes nicht gemacht, zu wenige Handys verkauft, Verträge abgeschlossen. Natürlich zusätzlich zum regulären Postdienst. Und schnell hast du eine 'rote Ampel' in der Beurteilung. Dann kannst du zittern um die Hackn."

"Wer nimmt einen noch mit 45?"
Zermürbend sei die ständige Überwachung, dieses "Big-Brother-Gefühl", erzählt der Grazer: "Überall sind Kameras, Testeinkäufer kommen an den Schalter. Wie soll man so noch arbeiten?" Jetzt, wo der Advent vor der Tür steht, werde die psychische Belastung noch größer. "Vielleicht bin ich schon zu Weihnachten meinen Job los. Dann wird's heuer halt keine Geschenke geben... Vielleicht überhaupt nie mehr - denn wer nimmt einen denn noch mit 45...?"

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