Di, 21. August 2018

Woman of the Year

26.10.2008 17:28

Ingrid Betancourt wird im Palais Coburg geehrt

Die franko-kolumbianische Politikerin Ingrid Betancourt, die im Juli nach sechsjähriger Geiselhaft aus den Händen der linksgerichteten FARC-Rebellen befreit worden war, hat am Sonntag in Wien den „Woman of the Year 2008“-Preis aus den Händen von Bundeskanzler Alfred Gusenbauer entgegengenommen. Laut einer Meldung des US-Nachrichtensenders CNN soll Betancourt geplant haben, den Besuch in Österreich dazu zu nützen, um die österreichischen Opfer Elisabeth F., die von ihrem Vater Josef F. 24 Jahre lang in einem Keller gefangen gehalten worden war, sowie Natascha Kampusch zu treffen, die ihrem Entführer Wolfgang Priklopil nach acht Jahren entkommen konnte, da sie Parallelen zwischen sich und ihnen sieht.

Laut CNN sagte Betancourt, dass sie für die Opfer von Josef F., der mit seiner gefangengehaltenen Tochter sieben Kinder gezeugt hat, eines davon starb, Liebe empfinde. Sie wisse aber, dass es die Umstände nicht zulassen, dass sie die Familie treffen könne. Aber sie wolle ihnen sagen, wie sehr sie an sie denke und wie sehr sie sie verstehe.

Mit Natascha Kampusch würde die Politikerin gerne „in aller Stille über die Dinge“ sprechen. „Ich weiß, dass sie in gewisser Weise das genau gleiche durchgemacht haben wie wir in Kolumbien – deshalb ist es sehr wichtig, dass ich hier bin“, so die Preisträgerin bei der Pressekonferenz in der Wiener Albertina.

Die frühere Präsidentschaftskandidatin der Grünen in Kolumbien war sechs Jahre lang von FARC-Rebellen im Dschungel gefangen gehalten worden. Nach ihrer Befreiung im Juli kehrte sie in ihre zweite Heimat Frankreich zurück.

Überlebende sinnlosen Terrors“
Betancourt wurde der Preis als "Fürsprecherin für Frieden und Demokratie" überreicht. In Gusenbauers Laudatio bezeichnete dieser Betancourt als "Überlebende des sinnlosen Terrors und gleichzeitig Botschafterin der Hoffnung, für all jene, die noch in Hoffnungslosigkeit leben und leiden".

Gusenbauer plädierte für einen Dialog der Konfliktpartner, zu dem auch Betancourt wiederholt aufgefordert hatte. "Die Geschichte lehrt uns, dass Gewalt nur in den seltensten Fällen ein geeignetes Mittel gegen die vorherrschende Gewalt darstellt oder sie zu überwinden vermag", so der Bundeskanzler. Die Geschichte der gegenseitigen Aufrechnung, wie sie bis heute in Kolumbien oder an vielen Orten der Welt geschehe, sei niemals für einen tragfähigen Friedensschluss geeignet. Es gelte vielmehr auf andere Art und Weise den Teufelskreis von Gewalt und Gegengewalt zu überwinden, konstatierte Gusenbauer weiter. "Nur wenn zur Opferarbeit auch eine Täterarbeit abseits der regulären Gerichtsbarkeit hinzugefügt wird, kann an den Gräbern der Toten und mit den seelisch Verstümmelten jene Versöhnung stattfinden, zu der Sie aufgerufen haben", sagte der Bundeskanzler.

Award wird offiziell erst im März vergeben
Der Woman of the Year Award ist eine Auszeichnung der Women's World Awards, die offiziell erst am 5. März 2009 vergeben werden. Nach Hamburg, Leipzig und New York wird die Veranstaltung erstmals in Wien stattfinden. Die 2004 ins Leben gerufenen Frauen-Weltpreise werden in zwölf verschiedenen Kategorien an Persönlichkeiten verliehen, die in ihrem Metier außergewöhnliche Leistungen vollbringen, sich humanitär oder karitativ engagieren.

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