"Nicht wegsehen"

Kindesmissbrauch – noch nie so viele Fälle

Steiermark
11.05.2008 17:31
Bei den steirischen Jugendschützern schrillen die Alarmglocken: Noch nie gab es in unserem Bundesland so viele Kindesabnahmen! 122 Fälle registrierten die Behörden im Vorjahr - ein dramatischer Anstieg von 35 Prozent gegenüber 2006. Die häufigsten Gründe für "Gefahr im Verzug" waren Vernachlässigung und Gewaltausübung. "Nicht wegschauen!", appellieren einmal mehr die Experten.

Es sind die Schwächsten der Gesellschaft, die es immer wieder trifft. Die, die sich nicht wehren können, weil sie zu schwach sind. Oder weil sie befürchten müssen, dass dann alles noch viel schlimmer wird. Das erschütternde Inzestdrama von Amstetten hat die Menschen aufgerüttelt, vielen die Augen geöffnet. Denn Kindesmissbrauch kommt weitaus häufiger vor, als man annehmen würde!

Zahlen dramatisch
Die "Krone" kennt die Zahl der Kindesabnahmen in der Steiermark im vergangenen Jahr - und die ist, wie selbst Experten zugeben müssen, "dramatisch". 122 junge Steirer - so viele wie noch nie zuvor! - wurden 2007 von ihren Eltern getrennt, weil sie körperlicher Gewalt ausgesetzt waren, vernachlässigt, sexuell missbraucht oder nur ungenügend gepflegt wurden. Im Jahr zuvor mussten die Behörden 90 Mal einschreiten, weil "Gefahr im Verzug" war. 

Sofort reagieren
Angelika Schaunig, Leiterin der Jugendwohlfahrt des Landes: "Bekommen wir die Meldung, dass es akute Probleme in Familien gibt, reagieren unsere Mitarbeiter sofort. Abwarten verschlimmert die Situation nur noch." 

Und so geht das Jugendamt vor: Bedürfen Kinder medizinischer Betreuung, kommen sie in ein Spital. Brauchen sie stabile Verhältnisse, werden sie in Pflegefamilien oder Wohngemeinschaften untergebracht.

Gerald Schwaiger, "Steirerkrone"

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