Forscher vermuten:

Erstmals Kind von Neandertaler und Mensch entdeckt

Wissenschaft
01.04.2013 10:03
Forscher vermuten, erstmals sterbliche Überreste eines Hybriden gefunden zu haben, der aus der Verbindung eines modernen Menschen mit einer Neandertalerin hervorging. Seit Jahren wird eine solche Vermischung der Spezies vermutet, durch Knochenfunde belegt war sie bisher nicht. Das Individuum lebte vor 30.000 bis 40.000 Jahren im nördlichen Italien.

Wie die Forscher der Universität Aix-Marseille in der Fachzeitschrift "PLoS ONE" beschreiben, fanden sie den Kiefer des vermuteten Hybriden in einem Felsunterschlupf namens Riparo di Mezzena in der italienischen Region Monti Lessini. Er wurde mithilfe von DNA-Analysen und 3D-Bildgebung untersucht.

Mutter Neandertalerin, Vater Homo sapiens
Die mitochondriale DNA - Erbinformationen, die außerhalb des Zellkerns gespeichert sind - ist laut der Wissenschaftler jene der Neandertaler. Da diese DNA nur von der Mutter auf das Kind übergehen kann, sei die Mutter eine Neandertalerin und der Vater ein Homo sapiens gewesen. 

Aus dem Aufbau des Kiefers könne man schließen, dass das Individuum äußerlich als Hybrid zu erkennen gewesen sei, so Co-Autorin Silvana Condemi gegenüber "Discovery News". Ob es sich tatsächlich um die Gebeine eines Hybriden handelt, müssen jedoch weitere Tests klären.

Neandertaler langsam verdrängt
Aus diversen Artefaktfunden und der Untersuchung von Höhlen wie Riparo di Mezzena schließen die Forscher, dass Neandertaler und Homo sapiens sich trotz gemeinsamer Kinder nicht zu einer Gruppe zusammenschlossen, sondern die Neandertaler ihre Kultur und Traditionen bewahrten - insgesamt 200.000 Jahre lang.

Ihre Erkenntnisse unterstützen die Theorie eines "langsamen Prozesses des Ersetzens der Neandertaler durch die eindringende Population moderner Menschen", so die Forscher in ihrem Bericht. Der Homo sapiens traf in Europa vor etwa 45.000 Jahren auf die Neandertaler.

Vergewaltigungen als "ethnische Säuberung"?
Die neuen Erkenntnisse weisen laut der Wissenschaftler aber nicht auf eine rein friedliche Verdrängung hin. Es sei es möglich, dass moderne Menschen Neandertalerinnen im Sinne "ethnischer Säuberungen" vergewaltigten, so die Forscher. Die Neandertaler starben schließlich vor etwa 30.000 bis 35.000 Jahren aus.

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