Sa, 16. Dezember 2017

Sicherheitsdebatte

07.10.2017 22:24

Sind diese Bahnsteige doch zu knapp bemessen?

Nach dem Unglück von Puch ist eine Sicherheitsdebatte um die Breite der Bahnsteige und das Tempo von Güterzügen ausgebrochen. Experten stehen auf der Seite der ÖBB und appellieren an die Eigenverantwortung der Zugreisenden. Aber: In Puch dürfte die Lärmschutzwand den Sog noch ziemlich verstärkt haben.

Verbauungen wie Lärmschutzwände können laut Rudolf Schuchter, Landesvorsitzender der Gewerkschaft vida in Salzburg, an Haltestellen die Sogstärke durch die Tunnelwirkung deutlich verstärken. In Puch existiert eine Lärmschutzwand.

Bei der Debatte um das Tempo der durchfahrenden Güterzüge schließt sich auch der Eisenbahnsachverständige Gunter Mackinger an: "Das Tempo zu reduzieren bedeutet eine enorme Energievernichtung und Verschleiß. Züge brauchen lange zum Abbremsen und zum Beschleunigen. Die Reibung von Eisen auf Eisen ist eine andere als von Gummi auf Asphalt."

Außerdem müsse man dann die Diskussion auf den gesamten Straßenverkehr ausweiten. Denn ein Lkw, der mit 70 km/h an einem Menschen vorbeifährt, hat ebenso eine Sogwirkung.

Bleibt noch die Breite der Bahnsteige: Laut ÖBB-Sprecher Christoph Gasser-Mair müssen Bahnsteige in Österreich mindestens 1,60 Meter breit sein. Dazu kommen noch 60 cm Sicherheitsabstand bis zur Kante.

In Puch betrug der Abstand von der Bank, auf der die Mutter saß, bis zur Kante 2,5 Meter. Das liegt in der Norm. "Auf den moderneren Bahnhöfen sind die Steige breiter. Auf älteren kann es vorkommen, dass der Bahnsteig nur 1,60 Meter breit ist", sagt Gasser-Mair.

Gunter Mackinger betont, dass er mit dem Fall von Puch nicht befasst ist. Er bedaure das tragische Unglück zutiefst. Die genauen Baurichtlinien bei den Bahnhöfen werden aber sowohl von der Eisenbahnbehörde als auch von unabhängigen Sachverständigen geprüft. Die Salzburger S-Bahnhaltestellen sind alle auf dem neuesten Stand. Er appelliert an die Eigenverantwortung der Zugreisenden: "Man darf die Gefahr nicht unterschätzen. Die wenigsten wissen, dass sie mit dem Kauf des Tickets einen Vertrag eingehen. Man akzeptiert die Beförderungsrichtlinien, die Hausordnung."

Infos dazu würden in allen Bahnhöfen hängen. Eine Regel besagt, dass man erst wenn der Zug angehalten hat, die weiße Sicherheitslinie überschreiten darf, nur zum Aus- und Einsteigen.

Wie sieht es mit der Sicherheit in Hallein, in Salzburg-Süd, in Mülln oder in Hallwang aus?

"Der Bahnhof Salzburg-Süd ist ziemlich neu. Da passt alles", sagt Mackinger. Obwohl der Bahnsteig zur Waldseite hin auf einer "Krone"-Aufnahme sehr schmal aussieht. In Hallein werden alle Normen eingehalten. In Mülln begeben sich viele in Gefahr. Sie radeln über den Bahnsteig, teils Handy telefonierend mit Ohrstöpseln. "Das ist natürlich klar verboten", so Mackinger.

In Hallwang wurde der Bahnhof durch den Neubau, der 2015 fertiggestellt wurde, viel sicherer. "Wir haben eine Unterführung, mehr Licht und einen barrierefreien Zugang", so Bürgermeister Johannes Ebner.

Manuela Kappes, Kronen Zeitung

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