Long Covid

14.03.2024

Menschen, die von Long-Covid betroffen sind, erleben häufig eine tiefe Verzweiflung und Verunsicherung. Wie lange muss ich die Beschwerden noch aushalten? Werde ich wieder ganz gesund? Eine für viele Betroffene schwer erträgliche Situation. Es gibt leider noch keine Behandlung, die an der Wurzel des Problems ansetzt, aber vieles, das man tun kann, um sich besser zu fühlen. Ihr Arzt oder Ihre Ärztin steht Ihnen dabei zur Seite.

Ursachen
Was versteht man unter Long-COVID und Post-COVID-Syndrom?

Long-COVID: Von Long-COVID spricht man, wenn die gesundheitlichen Beschwerden nach einer akuten Krankheitsphase von 4 Wochen andauern oder neu auftreten.

Post-COVID-Syndrom: Als Post-COVID-Syndrom bezeichnet man Beschwerden, die noch 12 Wochen nach Beginn der Covid-Infektion vorhanden sind und für die keine andere Ursache als die Covid-Erkrankung gefunden werden kann.

Long-Covid umfasst also Beschwerden, die 4-12 Wochen nach Krankheitsbeginn bestehen, als auch das Post-COVID-Syndrom. Ich verwende im restlichen Artikel der Einfachheit halber den Ausdruck Long-Covid für beide Begriffe.

Ursachen
Welche Ursachen hat Long-COVID?

Warum bestimmte Menschen an Long-COVID leiden, ist bisher nicht genau bekannt. Keine der möglichen Erklärungen konnte eindeutig wissenschaftlich bestätigt werden.

Symptome
Welche Beschwerden treten bei Long-COVID auf?

Häufige Beschwerden in Zusammenhang mit Long-COVID sind:

  • Müdigkeit
  • Fatigue = rasche und ausgeprägte Erschöpfung nach körperlicher oder geistiger Belastung
  • Kurzatmigkeit
  • Kopf- und Gliederschmerzen
  • Riech- und Geschmacksstörungen

Gelegentlich auftretende Beschwerden sind:

  • Husten
  • Probleme klar zu denken und sich zu konzentrieren (auch als „Brain fog“, also Nebel im Gehirn bezeichnet)
  • Schlafstörungen

Selten auftretende Beschwerden sind:

  • Schwindel
  • Durchfall, Übelkeit
  • Herzrasen, Herzstolpern
  • Hautkribbeln und Lähmungserscheinungen
Behandlung
Die 5 Top-Infos vom Experten 
  • Wenn Sie zwei bis drei Wochen nach einer Covid-19-Erkrankung noch stark beeinträchtigende Symptome, wie schwere Erschöpfungszustände und Atemnot haben, sollten Sie Ihren Arzt aufsuchen
  • Die Impfung reduziert nicht nur das Risiko für schwere Verläufe von Covid-19 sondern wahrscheinlich auch jenes für Long-Covid
  • Bei Fatigue (Ermüdungs- und Erschöpfungssyndrom) ist das Fokussieren auf die wichtigen Alltagsaufgaben ratsam
  • Bei Schlafstörungen sind Maßnahmen zur Schlafhygiene ratsam (mehr dazu hier)
  • Versuchen Sie, sich gesund zu ernähren und ausreichend zu trinken (1-1,5 Liter am Tag)
Behandlug
Wie kann Long-COVID behandelt werden?

Bei der Behandlung geht es darum, Ihre Beschwerden so gut wie möglich zu lindern. Es können also je nach Ihren Beschwerden unterschiedliche Behandlungen kombiniert werden.

Maßnahmen bei Müdigkeit und Fatigue im Rahmen von Long-COVID:

  • Pausen: Sorgen Sie für ausreichende Ruhephasen zwischen den Aktivitäten
  • Tagesplanung: Planen Sie wichtige Aufgaben für die Phasen des Tages, in denen Sie die meiste Energien haben (meist ist dies morgens)
  • Belastungskontrolle: Erledigen Sie nicht zu viel auf einmal (machen Sie aus großen Aufgaben mehrere kleine mit Ruhepausen dazwischen)
  • Energiesparmodus: Fokussieren Sie sich auf die wichtigen Erledigungen und Aufgaben eines Tages

Maßnahmen bei Schlafstörungen im Rahmen von Long-COVID:

Versuchen Sie Ihre Schlafhygiene zu verbessern:

  • Fixe Bettgeh- und Aufstehzeiten
  • Kein Koffein und Alkohol ab dem Nachmittag
  • Keine elektronischen Geräte vor dem Schlafengehen oder im Bett
  • Weitere Tipps bei Schlafstörungen finden Sie hier (Link zu Schlafstörungen)

Weitere mögliche Behandlungsmaßnahmen bei Long-COVID-Beschwerden:

  • Mittel aus der Apotheke zur Linderung von Schmerzen
  • Mittel aus der Apotheke zur Linderung von Husten
  • Maßnahmen für das Herz- Kreislaufsystem und die Lunge, am besten unter Anleitung im Rahmen einer Rehabilitation
    • körperliche Bewegung
    • gesunde Ernährung
    • Verzicht auf Zigaretten
    • Atemübungen
  • Physiotherapie und Ergotherapie, mit Anleitungen zum Trainieren und Schulungen, wie Sie Ihre täglichen Aufgaben besser verrichten können
  • Maßnahmen gegen Symptome, wie Depression und Angst:
    • Psychotherapie
    • Falls sinnvoll medikamentöse Therapie
  • Gedächtnis- und Konzentrationsübungen
Behandlung
Wer hilft mir wie?
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Alle im Überblick
chevron_rightHausarzt/Hausärztin

Ihr Hausarzt ist die erste Anlaufstelle für länger andauernde Beschwerden nach einer COVID-19-Erkrankung. Er kann Sie je nach Beschwerdebild zu einem Facharzt oder in eine Spezialambulanz überweisen. Er kann Ihnen auch eine Verordnung für Physiotherapie, Ergotherapie oder Psychotherapie ausstellen.

chevron_rightFacharzt/Fachärztin

Je nachdem, welche anhaltenden oder neu aufgetretenen Beschwerden nach der COVID-19-Erkrankung bei Ihnen im Vordergrund stehen, kann Sie Ihr Hausarzt falls notwendig zu einer weiteren fachärztlichen Abklärung schicken. Vor allem Neurologen, Psychiaterinnen, Lungenfachärzte und Kardiologinnen kommen dafür in Frage

chevron_rightPsychotherapeut/Psychotherapeutin

Ein Psychotherapeut kann Sie beim Umgang mit möglichen seelischen Beschwerden in der Folge einer COVID-19-Erkrankung, wie Depressionen oder Angst unterstützen.

chevron_rightPhysiotherapeut/Physiotherapeutin

Die Physiotherapeutin kann Sie mit gezielten Übungen wieder schrittweise an Ihre körperliche Leistungsfähigkeit heranführen und Sie beraten, wie Sie Ihr Training richtig dosieren sollten. Ergotherapie kann Ihnen dabei helfen, Ihre alltäglichen Tätigkeiten und Aufgaben wieder besser zu bewältigen.

chevron_rightDer Ergotherapeut

Kann Sie mit speziellen Übungen dabei unterstützen, Ihre alltäglichen Tätigkeiten und Aufgaben wieder besser zu bewältigen.

chevron_rightApotheke

Ihre Apotheke unterstützt Sie wie immer bei der Einnahme von Medikamenten, die Ihnen Ihr Arzt verschrieben hat und kann Ihnen falls notwendig auch rezeptfreie Medikamente gegen die Beschwerden empfehlen. Auch Beratung zum Einsatz von pflanzlichen Heilmitteln bei Long-COVID bekommen Sie in Ihrer Apotheke.

chevron_rightSpital

Aufgrund der Häufigkeit von Long-COVID wurden eigene Spezialambulanzen eingerichtet, bei denen Sie von Spezialistinnen unterschiedlicher Fachgebiete, wie z.B. Lungenheilkunden oder Kardiologie betreut werden. Ihr Hausarzt kann Sie hinsichtlich der Frage beraten, ob so eine Spezialambulanz für Sie geeignet ist.

chevron_rightReha-Einrichtung

Für die Rehabilitation bei Post-Covid-Syndrom gibt es mittlerweile spezialisierte Einrichtungen. Hier werden Sie v on einem interdisziplinären und multiprofessionellen Team betreut. Den Reha-Antrag füllen Sie am besten gemeinsam mit Ihrem Hausarzt oder der behandelnden Fachärztin aus.

Verlauf & Komplikationen
Was erwartet mich und wann bin ich wieder gesund?

Leider ist es für Ärzte derzeit noch sehr schwierig, einzuschätzen, wie lange die Beschwerden bestehen bleiben. Das ist bei verschiedenen Menschen ganz unterschiedlich. Wahrscheinlich hängt es auch davon ab, wie gesund Sie insgesamt sind, wie ausgeprägt die COVID-Beschwerden sind und auch von Ihrem Alter. Es kann auch sein, dass ein Teil der Beschwerden weggeht und andere Symptome, wie zum Beispiel die Müdigkeit noch länger bestehen bleiben. In der größten bisher durchgeführten Studie zu diesem Thema hielten die Beschwerden im Schnitt 4 Monate an. Bei Patienten, die im Zuge der Erkrankung im Spital versorgt werden mussten, lag dieser Zeitraum bei durchschnittlich 9 Monaten.

(Bild: KMM)
(Bild: KMM)
(Bild: KMM)