Das freie Wort

Der Schüler Gerber und seine Nachfahren

Der Roman von Friedrich Torberg „Der Schüler Gerber“ entstand in den 30er-Jahren des vorigen Jahrhunderts, seine Aktualität ist die Schwäche unserer heutigen Pädagogik. Als ehemaliger Gewerkschafter und Personalvertreter im Berufsschulbereich bin ich der Überzeugung, dass über 99% der Lehrerinnen und Lehrer hervorragende Arbeit leisten. Laut Statistik Austria gab es im Schuljahr 2018/19 129.358 Lehrpersonen, da wären 1% 1293 schwarze Schafe. Für diese gibt es derzeit leider kein Ausstiegsszenario. Für die Direktorinnen und Direktoren dieser „schwarzen Pädagogikschafe“ muss es eine Möglichkeit geben, Fort- und Weiterbildungen für schwierige pädagogische Situationen anzubieten. Auch der Schulgemeinschaftsausschuss soll das Recht bekommen, diesbezügliche Schwierigkeiten zu besprechen und Lösungsvorschläge zu unterbreiten. Der Beruf einer Lehrerin bzw. eines Lehrers ist mit dem Bergsteigen zu vergleichen. Es gibt die Schwierigkeitsgrade 1 bis 10. Kein Bergsteiger wird dauernd im Schwierigkeitsgrad 10 klettern, genauso ist es in der Pädagogik. Es gibt Kletterstellen, die nur bestens vorbereitet durchstiegen werden können. Ich erlaube mir zu beschreiben, dass es Schülerinnen und Schüler von Schwierigkeitsgrad 1 bis 10 gibt, und das in einer Klasse. Mit dem großen Unterschied zum Klettern, es sind junge Menschen mit unterschiedlichen Aufnahmefähigkeiten und Fertigkeiten. Gesagt ist noch lange nicht gehört, gehört ist noch lange nicht verstanden und verstanden ist noch lange nicht getan, in diesem „Klettersteig der Pädagogik“ befinden sich sowohl Lehrer als auch Schüler. Personalvertretung, Direktion und Bildungsdirektio-nen müssen endlich begreifen, dass sie gegenüber den Schülern die Verantwortung tragen, Lösungen für Problemlehrerinnen und -lehrer anbieten müssen, denn das haben sich die Schülerinnen und Schüler verdient. Sagte einmal Bruno Kreis-ky zu einem Journalisten: „Lernen Sie Geschichte.“ Genauso könnte man zu diesem Thema sagen: „Lernen Sie Pädagogik.“

Ing. Hans Kuba, Innsbruck

Erschienen am So, 27.9.2020

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