21.12.2007 21:16 |

Live und unzensiert

Wahnsinn pur: Helge Schneiders "Apokalüze Nau"

Mit seinem Album "I Brake Together" hat der deutsche Intelligenzblödler und Jazzmusiker Helge Schneider im vorigen Jahr einen Sensationserfolg hingelegt. Mit Songs wie "Die Trompeten von Mexiko" und "Telefonmann" ging er heuer hausieren, und als wahnwitziges Resümee seiner in Anlehnung an Francis Ford Coppola mit "Apokalüze Nau" benannten Tour erscheint am Freitag die gleichnamige Live-CD. Herr Schneider macht seinem Ruf wieder alle Ehre.

Live ist Helge Schneider mittlerweile fast wie ein Alf Poier geworden, nur musikalischer, artikulierter und weniger abstrakt. Ein König seines eigenen erlesenen schlechten Geschmacks, der sich seinen Respekt durch Musikalität und Aberwitz verdient.

"Apokalüze Nau" hat bemerkenswert wenig mit "I Brake Together" zu tun. Nur zwei Songs - die schaurig-schöne Schlager-Verballhornung "Die Trompeten von Mexiko" und den Swing "Telefonmann" - stammen von der Platte. Immerhin lernt man dabei, dass Mexiko ein riesiges Land ist, obwohl es so klein aussieht. Denn es ist "eingeklemmt zwischen zwei Ameriken" und berhebergt "Kaktisten".

Zwischen den anderen Songs wie "Fly Me To The Moon", ein paar Instrumentalnummer oder "It Don't Mean A Thing", referiert bzw. improvisiert Helge Schneider über seine Idole ("Theresa Orlowski, Dolly Buster, Gina Wild und Angela Merkel - die vier Porno-Queens. Und Pippi Langstrumpf!"), seine beiden Lieblingszauberer "Siegrid und Rolf" ("Katze im Sack mit Steinen im Wasser verschwinden lassen"), seine Welttournee nach Asien inklusive Flugangst ("Ein Flugzeug verbraucht so viel Karotin, das kannste aus der Erde nich mehr rausziehen") und nicht zuletzt den "Lieben Gott", der gerne Socken strickt, alleinstehend und ein armer Schlucker ohne Geschirrspülmaschine ist.

Den Abschluss macht der Blödel-Entertainer, der auch auf Leinwand zuhause ist (vier seiner Filme sind soeben als DVD-Box zum Schnäppchenpreis erschienen) mit einer seiner Lieblingsparodien: Der Song "Udo" wird von Helge Schneider und seinem kongenialen Duettpartner Udo Lindenberg vorgetragen, der Schneider ungewohnt direkt aus der Seele spricht. Spätestens nach dieser Dosis ist man nervlich am Ende. Gottseidank hat "Apokalüze Nau" nur dreizehn Tracks, länger könnte das niemand aushalten.

7,5 von 10 Weltuntergängen


Christoph Andert

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