14.07.2006 08:25 |

Bush in Deutschland

Bush entspannte beim Wildschwein-Grillen

Der Besuch im Wahlkreis der Kanzlerin endete, wie er begonnen hatte: ganz nach dem Geschmack von George W. Bush. Mit sichtbarer Freude schnitt der US-Präsident am Donnerstagabend beim bestbewachten Grillfest des Jahres im vorpommerschen Dorf Trinwillershagen das eigens für ihn erlegte Wildschwein an. Er freue sich "seit langem auf dieses Fest", sagte er, besonders aber auf das Essen.

Politische Themen wurden am Donnerstag vor der Grillerei behandelt.

Die USA und Deutschland wollen sich bei globalen Krisen künftig verstärkt abstimmen und in gegenseitigem Vertrauen nach Lösungen suchen. "Wir haben gemeinsame Werte und gemeinsame Interessen", sagte US-Präsident George W. Bush. Beide Völker könnten zusammen viel erreichen. Engen Schulterschluss demonstrierten beide Regierungschefs bei den aktuellen Krisenthemen Iran und Nahost.

Nahezu euphorisch lobte der US-Präsident die deutsche Kanzlerin: "Amerikaner und Deutsche erkennen die selben Charaktereigenschaften in der Bundeskanzlerin. Wir erkennen, dass sie eine kühne Vision hat und ein Herz voller Demut", sagte er in einer kurzen Rede auf dem historischen Marktplatz der Hansestadt vor mehreren hundert ausgewählten Bürgern. Bush fügte hinzu: "Ich habe Achtung vor ihrem Urteilvermögen und lege Wert auf ihre Meinung."

Nach Abschluss der offiziellen Gespräche in Stralsund flogen Bush und seine Ehefrau Laura am Abend auf Einladung Merkels in das Dorf Trinwillershagen zu einem zünftigen Grillabend mit Wildschwein-, Enten- und Hirschbraten organisiert. Zuvor hat George Bush noch das nachgeholt, was bei seinem letzten Europa-Besuch in Österreich nicht funktionierte - er hat per Fahrrad die Umgebung des Ostseebades Heiligendamm erkundet. 

Anti-Bush-Demonstrationen
Rund 12.500 Polizisten waren bei dem insgesamt 36-stündigen Besuch des US-Präsidenten in Merkels politischer Heimat im Einsatz. Mehr als 1.000 Menschen demonstrierten friedlich gegen den dritten und bislang längsten Besuch Bushs in Deutschland. Die Organisatoren hatten ursprünglich 5.000 Teilnehmer erwartet. Aktivisten der Umweltorganisation Greenpeace entrollten vom Turm der Stralsunder Nikolaikirche, die Bush und Merkel am Nachmittag besuchten, ein Protestbanner mit der Aufschrift: "No Nukes - No War - No Bush". Vorübergehend wurden 13 Aktivisten festgenommen.

Iran von beiden Seiten kritisiert
Bush und Merkel erhöhten im Atomkonflikt mit Iran den Druck auf Teheran, das Angebot der internationalen Staatengemeinschaft rasch zu beantworten. Bush hielt der iranischen Führung vor, weiter auf Zeit zu spielen. Er und Merkel bekräftigten jedoch, dass die Tür für eine diplomatische Lösung weiter offen sei. Wenn Teheran aber nicht reagiere, müsse man "leider andere Wege" einschlagen, sagte Merkel.

Israel wegen Libanon-Einmarsches nicht gescholten
Anders als die französische Führung vermieden Bush und Merkel Kritik an Israel wegen des militärischen Vorgehens im Libanon. "Israel hat das Recht, sich zu verteidigen", betonte Bush. Nach Merkels Worten dürfen Ursache und Wirkung nicht verwechselt werden - Auslöser für das israelische Vorgehen sei die Entführung von Soldaten durch Hisbollah-Milizen im Libanon gewesen. Merkel forderte alle Beteiligten auf, mit Augenmaß vorzugehen.

Gegenseitige Lobeshymnen
Zur Begrüßung Bushs hatte Merkel an die Hilfe der USA bei der deutschen Einheit erinnert: "Wir haben den Vereinigten Staaten viel zu verdanken, dass wir in Frieden und Freiheit heute gemeinsam in einem Land, in Deutschland, leben können." Bush bezeichnete die Kanzlerin in seiner Erwiderung als "gute Freundin".