24.03.2006 13:00 |

Traurige Bilanz

2005 war Rassismus-Rekordjahr

„Rassismus wird in Österreich immer tabuloser und aggressiver.“ So die traurige Bilanz des Wiener Antirassismus-Verein Zara, in seinem „Rassismus-Report 2005“ veröffentlicht. Die Zahl der gemeldeten Übergriffe, Diskriminierungen, Beschimpfungen und vor allem tätliche Angriffe - erhöhte sich gegenüber dem Vorjahr wieder stark.

Mit 1.105 dokumentierten Fällen hält das Jahr 2005 einen traurigen „Rassismus-Rekord“. „Die stetig steigende Zahl der Meldungen bei ZARA zeigt aber auch, dass sich das Bewusstsein gegenüber Rassismus verändert hat“, betonte Vereinsobmann Dieter Schindlauer.

Überproportional betroffen waren auch im Jahr 2005 Personen mit schwarzer Hautfarbe - wobei sich dieses Phänomen durch alle sozialen Schichten zog, betonte Hikmet Kayahan, Leiter der Beratungsstelle.

Rassismus gehört schon beinah zum Alltag
Auch ein bestimmtes Täterprofil lasse sich nicht festmachen: „Unsere Dokumentation zeigt, dass das die Akademikerin aus Döbling genauso betrifft wie den Arbeiter aus Floridsdorf“, so Kayahan. Eindeutig sei allerdings, dass Rassisten immer tabuloser agieren und die tätlichen Übergriffe dramatisch zunehmen: „Dass einer Muslimin an einer Ampel das Kopftuch heruntergerissen wird, war vor fünf Jahren noch kaum denkbar - heute ist es beinahe Alltag.“

FPÖ-Plakate gießen Öl ins Feuer
„Es gibt immer weniger Unrechtsbewusstsein bei rassistischen Übergriffen“, weiß auch Xiane Kangela, Chefredakteurin des Rassismus-Reports. Rassisten würden sich heute deutlicher zu ihrer Einstellung bekennen und weniger anonym agieren. Ein Zusammenhang etwa mit der Wahlkampfwerbung der Wiener FPÖ sei nicht auszuschließen: „Viele denken sich: `Wenn man das plakatieren kann, kann man es im Beisl ums Eck erst recht sagen`“, erklärte Schindlauer.

Gleichbehandlungsgesetz reiche nicht aus
Kritik übten die ZARA-Mitarbeiter an der Anti-Rassismus-Arbeit von Seiten des Bundes. Das bestehende Gleichbehandlungsgesetz würde den Betroffenen keine ausreichende Gerechtigkeit bieten.

Foto (c) ZARA

Dienstag, 15. Juni 2021
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