Mo, 25. Juni 2018

Kinder beim IS

30.01.2015 16:50

Mit Kopfabschlagen zum Dschihad-Diplom

Während Europa mit den Nachwirkungen der Pariser Anschläge kämpft und erste Maßnahmenpakete gegen den Terror geschnürt werden, erreicht die Dschihadisten-Gewalt im Mittleren Osten und in Teilen Afrikas immer neue Höhepunkte. Der IS züchtet in eigenen Camps sogar mehr und mehr Jung-Dschihadisten heran. Abschlussprüfung: einen Kopf abschneiden.

Gewalt ist für jene Menschen, die seit Monaten im Gebiet des Kalifen-Staates leben müssen, zum Alltag geworden. Peitschenhiebe, das Abhacken von Körperteilen und öffentliche Hinrichtungen zeugen vor allem in den Hochburgen Mossul und Raqqa vom systematischen Terror.

In speziellen Kindercamps züchtet der IS fanatisierte Jung-Dschihadisten heran. "Manche Eltern geben aus Not ihre Kinder für Geld dem IS. Viele Kinder werden aber auch einfach entführt. Es gibt derzeit keine normalen Schulen mehr. Die Kinder gehen dann in die Moscheen und laufen dort dem IS-Apparat in die Arme", sagt der 22-jährige Abu Ibrahim. Der Medizinstudent hat bis vor Kurzem in Raqqa gelebt, er ist der Gründer der Aktivistengruppe Raqqa is being slaughtered silently.

"100 Kinder köpfen 100 Gefangene. Einfach so"
Was Abu Ibrahim via Skype über Syrien zu berichten hat, klingt schauderhaft. Fünf Kindercamps gebe es bereits. Bis zu 400 Kinder unter 16 Jahren lernen dort, mit Waffen zu kämpfen, Bomben zu bauen, wie man einen Selbstmordanschlag verübt und wie man köpft.

"Im August, als der IS Assad-Soldaten festgenommen hatte, waren gerade 100 Kinder dabei, ihre Kampfausbildung abzuschließen. Laut IS hat man sein Diplom aber erst, wenn man einen Mann geköpft hat. Stellen Sie sich vor: 100 Kinder, unter 16 Jahren, köpfen 100 Gefangene. Einfach so, ohne nachzudenken. Der IS zerstört nicht nur den Geist unserer Kinder, sondern auch ihre Herzen!"

Kinder an der Front - eigene IS-Frauenbrigaden
Die Kindersoldaten kommen laut Ibrahim auch bei den Kämpfen um die Kurdenhochburg Kobane zum Einsatz. Mehr als 40 junge Burschen seien in den letzten Monaten gestorben. Einer davon ist ihm bekannt, er sei erst 17 Jahre alt gewesen und habe für den IS einen Selbstmordanschlag verübt.

Im Laufe des Gesprächs zeigen sich die Auswirkungen des IS-Terrors auf den Alltag von Raqqas Bewohnern. Eine eigene IS-Frauenbrigade (al-Khansaa) zieht durch die Straßen, um Kleidungs- und Verhaltensvergehen zu kontrollieren und umgehend hart zu bestrafen. Dabei reicht es schon, bunte Schuhe zu tragen, um verhaftet zu werden.

"Die Steinigungen sind das Ärgste"
Öffentliche Hinrichtungen und Zurschaustellung von Toten stehen auf der Tagesordnung. "Ich habe schon sehr viele Exekutionen gesehen, darunter auch zwei Steinigungen von Frauen. Das war das Schlimmste, das ich je erlebt habe."

"Allein wenn du nur eine Zigarette rauchst, kannst du hart bestraft werden. 50 Peitschenhiebe gibt es dafür. Frauen, die keinen Schleier tragen, werden von der Brigade verhaftet und bekommen 40 Peitschenhiebe."

Sexsklavinnen für die Gotteskrieger
"Wir haben einmal die Sexsklavinnen der Gotteskrieger gesehen, als eine Bombe eine ehemalige Schule getroffen hat. In diesem Gebäude wurden Dutzende jesidische Mädchen festgehalten."

Die Bevölkerung hasst vor allem die ausländischen Kämpfer: "Es gibt unglaublich viele in Raqqa, es ist wirklich erschreckend. Sie kommen von überall her, von Deutschland, Australien, Österreich, aus der Schweiz, den Niederlanden, den USA, von England, Frankreich, aus der ganzen Welt. Man sieht sie überall in den Straßen, vor allem aber in den Internetcafés, wenn sie mit ihren Familien sprechen. Die Bevölkerung von Raqqa hasst diese Ausländer. Der IS behandelt die Kämpfer wie VIPs. Sie bekommen Geld und ein schönes Zuhause. Man sieht sie in Restaurants und ständig beim Einkaufen. Währenddessen hungert die Bevölkerung, die Menschen können gar nichts kaufen und sind sehr, sehr wütend."

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