Segnung von Tieren

Einzigartig: Wenn der Hahn am Kirchplatz kräht

Steiermark
01.02.2026 17:00
Porträt von Josef Fürbass
Von Josef Fürbass

Kein Bauernfeiertag ohne Lichtmess-Krapfen, kein Fest Mariä Lichtmess ohne Tiersegnung. So ist es am 2. Februar zumindest im weststeirischen St. Ulrich im Greith der Brauch. Heuer findet die traditionelle Wallfahrt der Haus-, Nutz- und Kuscheltiere bereits zum 15. Mal statt. Mitunter gab es kuriose Szenen. 

Wenn in den Tagen vor Mariä Lichtmess der Föhn bläst, dann kann man auf dem Land gelegentlich folgende Wetterbeschreibung hören: „Heute geht der Krapfenwind!“ Soll heißen, dass die Voraussetzungen für das Krapfenbacken optimal sind. Im Mittelpunkt von Mariä Lichtmess steht aber vor allem die Kerzenweihe. Sie soll Licht in die Häuser bringen.

In St. Ulrich im Greith gibt es zudem einen ganz besonderen Brauch: Tierfreunde aus nah und fern werden sich am 2. Februar mit ihren Schützlingen wieder auf den Weg in den weststeirischen Ort machen. Ob Pferd, Kuh, Schwein, Schaf, Hund, Katze, Gockelhahn, Henne, Fisch, Hase, Meerschweinchen, Hamster – Tiere von A wie Alpaka bis Z wie Ziege werden am Kirchplatz in das Segensgebet von Pfarrer Markus Lehr miteingeschlossen (ab 11 Uhr). Die Initiatoren, Johann Lampl, Georg Godin, Willi Malli und Karl Masser hoffen auf eine rege Teilnahme, wenngleich Mariä Lichtmess heuer auf einen Montag fällt.

Eva Deutschmann aus Pitschgau mit Kalb Melissa
Eva Deutschmann aus Pitschgau mit Kalb Melissa(Bild: Josef Fürbass)

20 Viecherln bei der ersten Segnung
„Wir haben 2009 mit 20 Viecherln begonnen“, kramt Johann Lampl in Erinnerungen. Niemand hätte damals gedacht, dass die Veranstaltung einmal derart viel Zuspruch finden würde. In der Folge nahmen immer mehr Tierhalter aus dem Bezirk Deutschlandsberg und darüber hinaus daran teil. In St. Ulrich wimmelte es am Lichtmess-Tag nur so von Menschen und Tieren. Das große Interesse ist bezeichnend für die Liebe der Menschen zu ihren Haustieren. Sie packen sie warm ein und bringen sie zur Segnung.

Alles nahm an einem Neujahrstag mit einem tierischen Ausflug seinen Lauf. Die Bewohner staunten nicht schlecht, als sie Johann Lampl mit Kalb, Johann Koinegg mit Ziege und Karl Malli mit Hund durch den Ort gehen sahen. Beflügelt von der Idee, dass die Tiere das neue Jahr mit einem Ausflug an der frischen Luft beginnen sollten.

Pause nur während der Corona-Pandemie
In Anlehnung an diesen etwas ungewöhnlichen Neujahrsspaziergang wurde 2009 die Haustiersegnung zu Mariä Lichtmess ins Leben gerufen. Heuer gibt es ein halbrundes Jubiläum zu feiern: In der bereits 15. Auflage – während der Pandemie musste zweimal pausiert werden – verwandelt sich das Laubdorf in Gottes bunten Tiergarten.

Auch der Kindergarten und die Volksschule werden sich mit Kuscheltieren und Darbietungen beteiligen. Der Segen mit geweihtem Wasser soll die Tiere vor Krankheit, Unfall, Gefahr und schädlichen Einflüssen schützen. Gebetet wird auch für jene Tiere, die sich verlaufen haben, die hungrig sind oder ausgesetzt wurden.

Ausgebüxtes Schwein, sanftmütiger Ochse
„Wenn es zu Lichtmess stürmt und schneit, ist der Frühling nicht mehr weit!“ Diese altbekannte Bauernregel hat bei der Tiersegnung, die im Laufe der Jahre jede Wetterlage erlebt hat, auch schon die Probe aufs Exempel gemacht. Einst war es am Lichtmess-Tag so klirrend kalt, dass das Weihwasser im Kessel gefroren ist.

Zitat Icon

Mariä Lichtmess ist auch ein Lostag. Der halbe Winter liegt hinter uns, das neue Bauernjahr vor uns.

Johann Lampl 

Auch einige Hoppalas sind Johann Lampl im Gedächtnis geblieben. So ist beispielsweise einmal ein Schwein ausgebüxt. Dass jemand statt eines Haustieres die Haustüre mitgebracht hat – selbst das ist vorgekommen. Und als der 1400 Kilo schwere, aber absolut sanftmütige Ochse „Hermann“ auf die Toilette musste, gab es am Kirchplatz eine kleine Überschwemmung...

Dienstboten wechselten einst den Hof
Während die Weihnachtszeit zu Mariä Lichtmess endet, steht das neue Bauernjahr noch in den Kinderschuhen. Dem Lichtmess-Tag kam einst in bäuerlichen Kreisen eine besondere Bedeutung zu. Die Dienstboten bekamen ihren Jahreslohn ausbezahlt, hatten jedoch auch die Möglichkeit, den Hof zu wechseln. „Das Dienstverhältnis wurde meist auf einer Brücke besiegelt“, weiß Johann Lampl zu berichten. „Solche Wasserscheiden waren in unserer Gegend in Gasselsdorf, bei der Jagamühle und an der Saggau.“

Zu Mariä Lichtmess kam in den Bauernstuben durchaus auch mal ein Backhendl auf den Tisch. „Es wurde fest aufgekocht, um den neuen Dienstleuten zu zeigen, dass sie es mit ihrer Wahl auf dem Hof gut getroffen haben“, so Lampl.

Im feschen Steirerg’wandl überbringen die „Lichtmess-Geiger aus der Weststeiermark“ ihre ...
Im feschen Steirerg’wandl überbringen die „Lichtmess-Geiger aus der Weststeiermark“ ihre Glückwünsche für Haus und Hof.(Bild: Josef Fürbass)

Die „Lichtmess-Geiger“ sind unterwegs
Im Raum Eibiswald, Wies und Bad Schwanberg sind in diesen Tagen auch die „Lichtmess-Geiger aus der Weststeiermark“ unterwegs. Mit Bariton und Steirischer Harmonika umrahmen sie ihre Glückwünsche musikalisch. „Wir kommen her über Berg und Tol, guate Leut’ gibt’s überoll. Wir loben Gott und unsere Frau, was wir wünschen, das stimmt genau.“ Mit diesen gesungenen Zeilen beginnen die Lichtmess-Geiger in den meisten Fällen ihren Besuch.

Inhaltlich unterscheiden sich die anschließend vorgetragenen Gstanzeln je nach Überlieferung aber sehr wohl voneinander. Einzelne Strophen werden übernommen, manche abgeändert oder komplett neu getextet. Eines haben jedoch alle gemeinsam: Sie wünschen Glück für Haus und Hof – ein klingendes Stück steirischer Volkskultur, die es zu bewahren gilt.

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