Am 21. Jänner 2026 erscheint der zweite Teil der „Dorn“-Trilogie. Mit der Tiroler „Krone“ sprach Bestsellerautor Jan Beck vorweg über dunkle Geheimnisse, Schicksale und ein perfides Spiel.
„Krone“: Worauf darf man bei „Dorn – Zimmer 203. Ruf der Toten“, dem zweiten Teil der Dorn-Trilogie, gespannt sein?
Jan Beck: In „Ruf der Toten“ tritt eine Frau, die Hilfe sucht, über das Internet mit Simon Dorn in Kontakt. Doch nach dem Fund ihrer Leiche steht fest, dass sie auch nach ihrem Tod weiter mit Dorn kommunizierte. Mehr möchte ich jetzt noch nicht verraten. Die Leser können sich aber wieder auf spannende, mitunter bizarre Fälle sowie unerwartete Wendungen und tiefgründige psychologische Einblicke freuen.
Was kann Bad Gastein als Schauplatz, was eine Großstadt nicht kann?
Bad Gastein kann auf kleinem, überschaubarem Raum sehr viele Gegensätze präsentieren. Es ist wie ein Kabinett aus vergangener Pracht, Niedergang, Tod und Vergänglichkeit auf der einen Seite. Andererseits aber auch ein Neuanfang aus neuen Impulsen, Hoffnung und Zukunft und dem Versuch, dem Ort wieder neues Leben einzuhauchen. Die steilen Gassen, der tosende Wasserfall mitten im Ort, die abgeschiedene Lage in den Bergen – all das schafft eine einzigartige Atmosphäre, die sich hervorragend für komplexe, düstere Kriminalfälle eignet.
Dorn steht, nachdem seine Sponsorin den Tod fand, finanziell am Abgrund. Was verändert dieser Druck an seiner Moral und seinen Ermittlungsarbeiten?
Natürlich ist Dorn überfordert, weil er seine Sponsorin, die ihn finanziell gerade noch so über Wasser hielt, nicht mehr hat. Deshalb reagiert er auch auf die Kontaktaufnahme einer mysteriösen Klientin. Doch der Auftrag entpuppt sich als perfides Spiel. Alles in allem ist Simon Dorns Schicksal tragisch und vielschichtig, und es steckt ein größeres, dunkleres Geheimnis dahinter, als er selbst ahnt.
Wie bleibt Dorn trotz Tragik und Desillusionierung als Figur nahbar – spielt der weiße Schäferhund Buddy dabei eine Rolle?
Ja! Dorn hat mit der Welt eigentlich nicht mehr viel am Hut und ist durch sein Schicksal geprägt und verhärtet. Doch der Schäferhund Buddy erinnert ihn an den Hotelhund, mit dem er früher, in besseren Zeiten, Kontakt hatte. Zudem ist Buddy das Bindeglied zwischen Dorn und Lea Wagner und greift immer wieder mit sanfter Pfote in die Handlungen ein, um dem Schicksal auf die Sprünge zu helfen.
Beim Duo Dorn/Wagner ist Ermittlerin Lea Wagner erneut optimistisch und unkonventionell – Dorn eher kontrolliert und düster. Was hat sich in der Dynamik des Duos seit dem ersten Band am stärksten verändert?
Ihre Interaktion führt wieder zu interessanten Konflikten, aber auch zu unerwarteten Synergien. Letztendlich ergänzen sich ihre Fähigkeiten und Hintergründe. Auch wenn sich beide immer noch nicht ganz grün sind, zeigt Dorn, dass er nicht nur dieser verhärtete starre Charakter ist, sondern auch einen guten Kern hat.
In meinem Fokus steht nicht so sehr die Psychologie des Täters oder Ermittlers, sondern die Figuren, die nachvollziehbar und logisch agieren sollen.
Jan Beck
Wird es irgendwann einen Punkt geben, an dem Dorn und Wagner nicht nur beruflich, sondern auch gefühlsmäßig voneinander abhängig werden?
Dorn kämpft immer wieder mit seinem Schicksal und hat keine Zeit für Gefühle. Und genau deswegen kann er auch schwer eine Romanze beginnen.
Sie deuten im Buch ein größeres Geheimnis in der Vergangenheit an. Wird es die Auflösung in kleinen Mosaiksteinen oder in einem großen Knall geben?
Ich kann schon jetzt verraten, dass es auf jeden Fall einen großen Knall geben wird.
Was interessierte Sie beim Schreiben stärker: die Psychologie des Täters oder die Verletzbarkeit der Ermittler?
In meinem Fokus steht nicht so sehr die Psychologie des Täters oder Ermittlers, sondern die interessanten Figuren, die nachvollziehbar und logisch agieren sollen. Ich baue sozusagen ein modernes, dunkles Märchen für Erwachsene. Und ich versuche alles so zu argumentieren und zu präsentieren, dass man das Tätermotiv und den Ermittlungsweg nachvollziehen kann und beides stimmig und glaubwürdig ist.
Ihre Thriller sind Bestseller. Spüren Sie dadurch beim Schreiben Druck – oder eher Rückenwind?
Den Bestseller-Status finde ich eher relativ und daher setzt er mich nicht so besonders unter Druck. Ich habe mich stetig Stein für Stein weiterentwickelt und habe auch durch die Vielzahl meiner Bücher viel Erfahrung gesammelt.
Jan Beck ist das Pseudonym des 50-jährigen Innsbrucker Schriftstellers Jo Fischler. Nach „Dorn – Zimmer 103“ folgt nun der zweite Teil seiner erfolgreichen Thriller-Reihe.
Sie verbringen gerne Zeit im Wald: Welche Rolle spielen Natur und Ruhe für Ihre Kreativität?
Wenn ich schreibe, mag ich weder Musik hören, noch abgelenkt werden. Um kreativ zu sein, brauche ich einen konkreten Rahmen. Sehr gerne gehe ich im Wald spazieren, auch wenn ich in letzter Zeit wenig Zeit dafür fand. Doch wenn ich dann wieder einmal eine Tour gehe, dann merke ich, wie toll das ist, und wie viel Kraft es mir gibt. Die Natur ist schon der perfekte Kraftplatz.
Und warum passt ein Waldspaziergang so gut zu düsteren Stoffen?
Ein dunkler Wald ist, vor allem durch klaustrophobische Settings, prädestiniert dafür, Inspiration zu schaffen. Ich finde die Natur generell faszinierend.
Wie geht es nach der Dorn-Trilogie weiter?
Was über Teil drei hinausgeht, steht in den Sternen. Ich könnte mir aber vorstellen, dass das Duo Dorn/ Wagner, frei von persönlichen Schicksalen, weiterhin „Cold Cases“ aufklären könnte. Derzeit schreibe ich aber auch noch einen „Knuffingen“-Krimi in Kooperation mit dem Miniatur Wunderland in Hamburg.
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