Ein Zug, der plötzlich ohne ersichtlichen Grund täglich um vier Minuten länger für dieselbe Strecke benötigt, stößt Pendlern nach St. Pölten derzeit besonders sauer auf. Anschlusszüge können nämlich somit nicht mehr erreicht werden und der Weg zur Arbeit dauert täglich eine halbe Stunde länger.
Marion S. aus Payerbach ist verzweifelt. Nicht nur, dass sie täglich viel Zeit im Zug verbringen muss, weil ihr Arbeitsplatz in St. Pölten liegt. Seit etwa zwei Wochen fährt ihr Zug jetzt auch noch ohne ersichtlichen Grund vier Minuten länger nach Wien-Meidling.
„Der Zug kam bis vor kurzem immer um 7.29 Uhr in Meidling an. Um 7.35 Uhr geht mein Anschlusszug nach St. Pölten“, so Frau S. Der unter normalen Umständen auch zu erreichen war. Auch, weil er am gegenüberliegenden Bahnsteig stand.
Plötzlich dauert Fahrzeit vier Minuten länger
Seit ungefähr zwei Wochen startet der Zug zwar zur gleichen Zeit in Payerbach, kommt jedoch erst um 7.33 Uhr in Meidling an. „Es ist mir ein Rätsel, wie ein Zug plötzlich vier Minuten länger fährt, obwohl keine zusätzlichen Stopps eingelegt werden“, klagt Frau S. Was erschwerend dazukommt: „Er ,landet‘ auf einem weiter entfernten Bahnsteig, sodass ein Erreichen des Anschlusszuges um 7.35 Uhr nicht möglich ist.“ Sie schildert auch den täglichen Sprint anderer Pendler, die so wie sie versuchen, den Anschlusszug zu erreichen und dann völlig außer Atem mitansehen müssen, wie dieser vor der Nase davonfährt. „Ich komme nun täglich eine halbe Stunde zu spät zur Arbeit, weil ich 30 Minuten am Bahnhof Meidling auf den nächsten Zug warten muss“, klagt die genervte Pendlerin.
ÖBB verweist auf momentane Zugumleitung und verspricht ein Ende
Die ÖBB entschuldigen sich für diese Unannehmlichkeiten. „In Fahrtrichtung Wien werden einige Züge der Linien CJX9 und REX92/93 zwischen Wiener Neustadt und Wien Meidling derzeit über die Pottendorfer Linie umgeleitet. Dadurch verlängert sich die Fahrzeit um wenige Minuten“, heißt es dazu seitens der ÖBB. „Diese Maßnahmen werden bis Ende August jedoch abgeschlossen sein“, verspricht das Bahnunternehmen.
Jeder zweite Passagier aus Niederösterreich verpasst mehrmals im Jahr oder öfter Anschlussverbindungen. Das ergab ein österreichweiter Bahntest des Verkehrsclubs Österreich (VCÖ) unter rund 10.000 Fahrgästen unter anderem in der Westbahn, Mariazellerbahn und den ÖBB. Das größte Manko orten die heimischen Pendler bei der Pünktlichkeit. Ganze 43 Prozent der Befragten klagen diesbezüglich über eine Verschlechterung.
Spitzenreiter bei Unpünktlichkeit
Im Bundesländervergleich verpassen Niederösterreicher sogar am häufigsten ihre Anschlussverbindungen. Aber auch in puncto bessere Internet- und Telefonverbindung sehen jeweils 32 Prozent der Passagiere dringenden Nachholbedarf. Auch die Abstimmung zwischen Bus und Bahn könnte besser sein.
Leute sind häufiger mit Bahn unterwegs
Allgemein gesehen stellt die Entwicklung der Qualität des Bahnfahrens den Großteil der heimischen Fahrgäste zufrieden. Erfreulich ist, dass 29 Prozent der Fahrgäste aus dem weiten Land in den vergangenen zwölf Monaten häufiger mit der Bahn unterwegs waren, als davor. „Bahnfahrer leisten einen wichtigen Beitrag zur Vermeidung von Staus auf den Straßen und zur Erreichung der Klimaziele. Umso wichtiger ist es, dass die Verkehrspolitik die Rückmeldungen der Fahrgäste ernst nimmt und, dass nötige Verbesserungen rasch umgesetzt werden“, stellt Michael Schwendinger vom VCÖ fest.
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