Filmemacherin Judith Zdesar hat die Freiwillige Feuerwehr Wiener Neustadt zwei Jahre lang mit der Kamera begleitet. Ihre Doku kommt am Freitag ins Kino und zeigt eine emotionale Seite der Helfer, die uns normalerweise verborgen bleibt. Die „Krone“ traf Zdesar im Rahmen der Diagonale-Premiere zum Interview.
Was spüren Sie, wenn Sie ein Blaulicht sehen? Neugier? Sorge? Gleichgültigkeit? Schnell wischt man das Gesehene wieder weg – doch jeder Einsatz kann für die Helfer belastend oder gar traumatisch werden. Die Ungewissheit, mit der die Feuerwehrleute zum Notfall ausrücken, fängt Regisseurin Judith Zdesar in ihrer neuen Kino-Doku „Alarm“ ein.
Zwei Jahre lang begleitete sie dafür die Freiwillige Feuerwehr Wiener Neustadt – und bekam erschütternde und dramatische Geschichten zu hören: „Ich weiß nicht, ob die Kamera das initiiert hat, aber es gab schon ein großes Bedürfnis, manche Dinge einfach loszuwerden. Das war wie ein Ventil, dass jemand fremder von außen dazukam. Es hat ihnen gutgetan.“ Helden sind eben auch nur Menschen.
Dass einige Kameraden schon in jugendlichem Alter bei den Einsätzen manchmal Schlimmes sehen, hat Zdesar berührt: „Einer der Kameraden ist gerade Anfang 20 und hat schon so viel erlebt, dass es für ein ganzes Leben reicht.“ Dass all die gefährlichen und belastenden Einsätze auf Freiwilligkeit basieren, interessierte Zdesar, als sie mit dem Projekt startete: „Diese Gemeinschaft war wirklich sehr beeindruckend. Der Großteil der Feuerwehren sind ja Freiwillige Feuerwehren, das war mir gar nicht so bewusst. Erst wenn dann plötzlich etwas passiert und es einen plötzlich betrifft, ist man froh, dass jemand da ist. Und das unter Einsatz ihres Lebens, da habe ich Gänsehaut gekriegt, als das bei einer Angelobung gesagt wurde.“
Auch technisch ist „Alarm“ (ab Freitag im Kino) sehenswert – bei heiklen Einsätzen nehmen uns die Florianijünger mit Bodycams mit, auch bei Taucheinsätzen, Zimmerbränden oder Verkehrsunfällen wird gefilmt. Trotzdem wirkt Judith Zdesars Film nie voyeuristisch. Selber hat sie übrigens noch nie die Hilfe der Feuerwehrkameraden gebraucht. Aber Sirene und Blaulicht werden die Filmemacherin wohl trotzdem nie mehr kaltlassen.
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