Steirische Autohändler konnten ihre Verkäufe im ersten Halbjahr 2024 steigern. Zusehends zu Ladenhütern werden aktuell allerdings E-Autos, während Hybrid-Antriebe immer beliebter werden. Die Preise für Gebrauchtwagen haben sich nach turbulenten Jahren wieder normalisiert.
Totgesagte leben länger: Während die Politik in den letzten Jahren die Segel voll in Richtung E-Mobilität gesetzt hat– Stichwort EU-Verbrenner-Aus 2035 –, ist bei Endkunden der Elektroauto-Boom zuletzt deutlich abgeflacht. Auch Steirer setzen wieder vermehrt auf Benzin- und Dieselautos. Das zeigen aktuelle Zulassungszahlen für das erste Halbjahr 2024, die gestern von den Wirtschaftskammer-Spitzen der Sparte Fahrzeughandel vorgelegt wurden (siehe Grafik unten).
Verbrenner und Hybrid legen zu
Demnach ist der Autohandel nach turbulenten Corona-Jahren und deren Nachwehen insgesamt wieder auf der Überholspur. Die Neuzulassungen sind seit Jahresbeginn in der Steiermark um rund sechs Prozent gestiegen. Was dabei besonders auffällt: „Die Kunden setzen wieder vermehrt auf Verbrenner und, ganz stark im Steigen, auf Hybrid-Fahrzeuge“, sagt Spartenobmann Klaus Edelsbrunner. Der Absatz von neuen E-Autos hingegen hat heuer einen ordentlichen Dämpfer bekommen und ist um rund elf Prozent zurückgegangen.
Das hat laut den Experten mehrere klare Gründe. Zunächst war der E-Auto-Boom vorwiegend – zu rund 80 Prozent – auf Firmenfahrzeuge zurückzuführen. Seit die Förderungen dafür mit Beginn des letzten Jahres ausgelaufen sind, ist auch die Nachfrage massiv eingebrochen. Hinzu komme aktuell die politische Unsicherheit, Kunden würden abwarten, wie sich die EU-Wahl und die anstehende Nationalratswahl in puncto E-Mobilität auswirken werden. „So ist noch nicht abzusehen, ob das Verbrenner-Verbot ab 2035 auch halten wird“, sagt Edelsbrunner.
Lade-Problem hemmt Akzeptanz von E-Autos
Ein ganz wesentlicher Hemmschuh für die Massentauglichkeit von E-Autos ist nach wie vor mangelnde Lade-Infrastruktur – wie aktuell gerade wieder viele Steirer merken, die „elektrisch“ in den Urlaub fahren und teils stundenlang auf freie Ladestation warten müssen. „Außerdem braucht es endlich eine transparente Preisauszeichnung und ein einheitliches Bezahlsystem, derzeit haben wir ja einen ,Kartensalat‘“, sagt Peter Jagersberger vom gleichnamigen Autohaus, der übrigens demnächst Klaus Edelsbrunner nach 17 Jahren als Landesgremialobmann in der Sparte Fahrzeughandel ablöst. Und zu guter Letzt sind E-Autos derzeit wegen der gestiegenen Stromkosten wenig attraktiv. „Wenn man sein Auto nicht zu Hause laden kann, und das am besten mit PV-Strom, scheidet das E-Fahrzeug eigentlich aus“, so Jagersberger.
Wenn man sein Auto nicht zu Hause laden kann, und das am besten mit PV-Strom, scheidet das E-Fahrzeug eigentlich aus
Peter Jagersberger, angehender WKO-Spartenobmann Fahrzeughandel
Immer beliebter werden hingegen Hybrid-Autos, vor allem Benziner, die Elektro- und Verbrennermotor kombinieren. Sie vereinen „das Beste aus beiden Welten“, sagt Klaus Edelsbrunner. Kurze Strecken lassen sich damit problemlos rein elektrisch zurücklegen, auf längeren Distanzen hat man die Sicherheit eines Verbrenners.
Preise für Gebrauchtwagen gesunken
Nach der Knappheit und Teuerung durch Corona hat sich der Gebrauchtwagenmarkt inzwischen wieder stabilisiert. „Die dürren Jahre sind vorbei, die Händler haben wieder genug Ware und die Preise haben sich normalisiert“, sagt Gerald Auer, Geschäftsführer beim Autohaus Vogl & Co. Laut einer aktuellen Analyse der Plattform Autoscout24 zahlen Kunden für ein gebrauchtes Auto derzeit im Schnitt um 1800 Euro weniger als noch zu Jahresbeginn.
Am Gebrauchtwagenmarkt können langsam auch E-Autos zulegen. „Die verbreitete Sorge, dass die Batterien nicht lange halten, ist unbegründet. Alle Hersteller geben acht Jahre Garantie auf die Batterie“, erklärt Landesinnungsmeister Thomas Marichhofer. Zudem biete der Fachhandel eine Batterien-Prüfung mit eigenen Zertifikaten.
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