Günther Aloys ist seit 1969 selbstständiger Hotelier in Ischgl. Der gebürtige Tiroler war zehn Jahre lang Vorstand des Tourismusverbandes Ischgl und Aufsichtsrat der Silvretta Seilbahnen. Im „Krone“-Interview spricht er über Visionen, den Supergau und sich in Geduld zu üben.
Krone: Aus welchen Beweggründen haben Sie denn die Innovationsschmiede „Workshop Ischgl“ gegründet?
Günther Aloys: Um Kreativität zu fördern und Ideen umzusetzen. Skifahren könnte in tiefer gelegenen Gebieten schon bald Schnee von gestern sein. Deshalb braucht es neue Ansätze. Wir entwickeln deshalb auch ständig neue Konzepte und Innovationen. Derzeit haben wir schon 350 verrückte und machbare Ideen, die man im Tourismus umsetzen kann, in einem Workbook zusammengefasst.
Eines der Konzepte, das – als Antwort auf den Klimawandel – niedrig gelegene Skigebiete neu beleben soll, ist das „Slope Gliding“. Können Sie das beschreiben?
Man fährt mit der Seilbahn hinauf und gleitet statt auf Skiern mit Ballonen talwärts. Diese Ballons kann man mittransportieren und am Ziel mit wenig Aufwand innerhalb von Sekunden aufblasen. Während man den Hang entlang schwebt, berührt man immer wieder den Boden. Bei diesem Kontakt kann die Richtung angeben werden. Jeder Ballon kann jeweils von einer Person gelenkt werden.
Mit dem „Slope Gliding“ können wir den Menschen das Gefühl geben, etwas ganz Neues zu erleben.
Günther Aloys
Wäre „Slope Gliding“ auch im Sommer in und um Ischgl möglich?
Ja, klar. Wir haben ja bereits die Seilbahnen und die Berge. Mit dem „Slope Gliding“ können wir den Menschen das Gefühl geben, etwas ganz Neues zu erleben. Vor allem die Jüngeren, die eh alles cool finden, was gleitet, fliegt oder driftet, werden damit Spaß haben.
Ihr Workshop hatte auch die Idee, Indoor-Skihallen, sogenannte „Downhill Bubbles“, als Alternative anzubieten. Gab es dafür Abnehmer?
In Deutschland und Holland gibt es schon „Snow Bubbles“. In den Alpen leider noch nicht.
Warum machen Sie sich als Ischgler Gedanken über tiefer gelegene Skigebiete und deren Herausforderungen?
Auch uns kann die globale Erwärmung irgendwann treffen. Das wäre für Ischgl der Supergau. Noch ist Ischgl zu 100 Prozent schneesicher. Dennoch sollte man schon heute innovative Ideen einbringen. Schließlich wollen wir die Führungsrolle, die wir im Alpenraum in Sachen Wintertourismus haben, behalten. Außerdem sollen die Konzepte allen Tourismusgebieten zu Gute kommen.
Es ist nicht einfach, innovative Ideen zu realisieren. Und ich rechne nicht damit, dass alle umgesetzt werden.
Günther Aloys
Sie haben als Ischgler Hotelier und Tourismus-Visionär mit Ihren Ideen und Veranstaltungen oft dafür gesorgt, dass sich die Gemüter im Paznaun erhitzten. Warum wurden nur wenige Ihrer kreativen Ideen umgesetzt?
Es ist nicht einfach, innovative Ideen zu realisieren. Und ich rechne nicht damit, dass alle umgesetzt werden. Dafür ist meine Angebotspalette auch zu groß. Auch wenn man sich in Geduld üben muss, sollte man immer wieder neue Konzepte ausarbeiten und vorstellen. Viele Ideen, wie beispielsweise das Gipfeltreffen „Message from the Mountains“ oder die Popkonzerte auf dem Berg wurden ja umgesetzt. Allerdings traten zu Beginn keine Sänger aus Österreich, sondern internationale Superstars auf.
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