28.02.2012 11:03 |

Gefährliche Pillen

Studie: Schlafmittel erhöhen Krebs- und Sterberisiko

Sie ermöglichen Millionen Menschen eine Nachtruhe - doch Schlaftabletten erhöhen laut einer aktuellen US-Studie das Sterberisiko deutlich und fördern bei häufiger Einnahme sogar die Entstehung von Krebs. Es zeige sich, dass acht der gängigsten Schlafmittel selbst in relativ niedriger Dosierung bereits gesundheitliche Folgen nach sich ziehen, schreiben die Forscher.

Allein in den USA nahmen den Autoren zufolge fünf bis zehn Prozent der Erwachsenen im Jahr 2010 Schlaftabletten. Bereits weniger als 18 Dosen im Jahr erhöhen die Gefahr eines vorzeitigen Todes deutlich, gängige Schlafmittel könnten somit für Hundertausende Tote pro Jahr allein in den Vereinigten Staaten verantwortlich sein, so die US-Forscher.

Ein Team um Daniel Kripke vom Viterbi Family Sleep Center der Scripps Institution in San Diego schloss mehr als 10.500 Menschen, die im Mittel über zweieinhalb Jahre Schlafmittel verordnet bekamen, in die Studie ein, wobei das Durchschnittsalter der Probanden bei 54 Jahren lag. Zum Vergleich beobachteten die Wissenschaftler auch 23.500 Menschen, die im selben Zeitraum keine solchen Medikamente einnahmen. Faktoren wie Geschlecht, Alter, Lebensstil und eventuelle gesundheitliche Probleme berücksichtigte das Team ebenfalls. Obwohl die Zahl der gestorbenen Probanden insgesamt recht klein war, gab es signifikante Unterschiede in den Gruppen.

Schlafmittel erhöhen Sterberisiko deutlich
"Die Ergebnisse zeigen einen Zusammenhang zwischen der Einnahme von Schlaftabletten und einem erhöhten Sterberisiko", schreiben die Autoren. Die Gefahr zu sterben, steige mit der Höhe der Dosis. Bei den Patienten, die bis zu 18 Dosen im Jahr nahmen, war das Risiko zu sterben demnach 3,5 Mal höher als bei jenen, die keine Schlafmittel nahmen. Bei jenen Probanden, die zwischen 18 und 132 Mal im Jahr zur Tablette griffen, war das Sterberisiko um das Vierfache erhöht, bei denen, die jährlich mehr als 132 Dosen nahmen, sogar fünf Mal höher.

"Diese Zusammenhänge betrafen alle Altersgruppen, am stärksten waren sie aber bei denjenigen zwischen 18 und 55 Jahren", schreiben die Forscher im "British Medical Journal" (BMJ). Die Autoren betonen zudem, dass die Studie nicht zwingend Ursache und Wirkung aufzeigt - aber die Ergebnisse bestätigten knapp zwei Dutzend ältere Studien, die ebenfalls einen Zusammenhang zwischen der Einnahme von Schlafmitteln und einem erhöhten Sterberisiko erhoben hatten.

Gefahr einer Krebsdiagnose steigt um ein Drittel
Auch die Gefahr, an Krebs zu erkranken, steigt der Studie zufolge mit der Einnahme von Schlafmitteln an: Bei denjenigen, die besonders häufig Pillen schluckten, erhöhte sich das Risiko einer Krebsdiagnose demnach um 35 Prozent.

"Obwohl die Autoren nicht beweisen konnten, dass Schlafmittel einen vorzeitigen Tod verursachen, haben ihre Analysen viele andere mögliche Gründe ausgeschlossen. Deshalb werfen diese Ergebnisse wichtige Bedenken und Fragen über die Sicherheit von Beruhigungsmitteln und Schlaftabletten auf", kommentierte BMJ-Chefredakteur Trish Groves die Studie.

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