Sa, 22. September 2018

Rasante Entwicklung

29.08.2011 11:36

Weltbevölkerung durchbricht die 7-Milliarden-Grenze

In Kürze wird es so weit sein: Dann kommt jenes Baby zur Welt, mit dem die Erde zum ersten Mal mehr als sieben Milliarden Menschen zählen wird. Die Vereinten Nationen haben sich auf den 31. Oktober als mutmaßlichen Geburtstag festgelegt - was jedoch ein Datum von eher symbolischem Wert ist. Denn die Bevölkerungsexperten haben oft schon die Erfahrung gemacht, dass ihre Prognosen von der Wirklichkeit überholt werden. Deshalb wird auch diesmal erwartet, dass es schneller geht.

Im Lauf der Menschheitsgeschichte hat sich das Wachstumstempo enorm gesteigert: Zu Christi Geburt gab es etwa 300 Millionen Menschen. Erst kurz nach 1800 wurde dann die erste Milliarde erreicht. Jetzt kam allein im noch jungen 21. Jahrhundert schon wieder eine Milliarde hinzu.

Mit weiteren Prognosen zur Bevölkerungsentwicklung ist man inzwischen extrem vorsichtig. Auch bei der aktuellen Einschätzung gibt es Einschränkungen: Laut UNO könnte es sein, dass Erdenbürger Nr. 7.000.000.000 sogar schon da ist. Dies sei zwar unwahrscheinlich, doch keine Statistik sei so genau, dass man einen exakten Termin ausrechnen könnte.

"Der globale Ausblick ist durch eine Vielzahl von Unsicherheiten schwierig", erklärt auch Bevölkerungswissenschaftler David Bloom von der Harvard School of Public Health. "Dazu zählen Infektionskrankheiten, Krieg, der wissenschaftliche Fortschritt, politische Änderungen und unsere Fähigkeit zur globalen Zusammenarbeit." Allgemein wird aber erwartet, dass sich das Bevölkerungswachstum abschwächt: Die UN-Prognose für das Jahr 2050 beträgt etwa 9,3 Milliarden Erdenbürger, für 2100 rund 10,1 Milliarden.

Asien und Afrika weiterhin mit den höchsten Geburtenraten
Sicher ist, dass sich die Gewichte zwischen den Kontinenten verschieben werden. Getrieben wird das Wachstum von den hohen Geburtenraten in Asien und Afrika. Laut dem Datenreport der Stiftung Weltbevölkerung, einer deutschen Entwicklungshilfeorganisation, wird Indien mit derzeit 1,2 Milliarden Einwohnern bald China mit 1,3 Milliarden Bürgern als bevölkerungsreichstes Land der Welt ablösen. Und: Allein in Nigeria, das mit 162 Millionen heute schon die meisten Einwohner Afrikas hat, soll die Zahl bis zur Jahrhundertmitte auf fast eine Dreiviertelmilliarde zunehmen.

Ein anderes Beispiel: Derzeit haben die Industrienation Deutschland und das Entwicklungsland Äthiopien beide etwas mehr als 80 Millionen Einwohner. In 40 Jahren jedoch wird es voraussichtlich 174 Millionen Äthiopier geben - aber nur noch 72 Millionen Deutsche, die im Durchschnitt auch deutlich älter sein werden als heute.

Dies bedeutet auch, dass sich die Machtverhältnisse zwischen den Kontinenten verschieben werden. Länder wie China, Indien oder Brasilien (193 Millionen Einwohner) gewinnen jetzt schon an Einfluss. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel mahnte dieser Tage nicht nur mit Blick auf die Euro-Krise: "In einer Welt von sieben Milliarden Menschen müssen wir 500 Millionen Europäer zusammenhalten." Wohlstand und Werte seien sonst kaum zu retten.

Experten vermuten Wasser-Kriege, Optimisten wiegeln ab
Mit der schieren Zahl an Menschen wächst auch der Bedarf an Land, an Lebensmitteln, an Energie. Befürchtet wird, dass der Kampf um die vorhandenen Ressourcen immer härter wird. Viele halten es zum Beispiel für möglich, dass es zwischen Nachbarstaaten künftig Kriege ums Wasser geben wird.

Die Umweltorganisation WWF hat ausgerechnet, dass man 2050 eigentlich drei Planeten Erde brauchen wird, wenn sich an unseren Gewohnheiten nichts ändert. "Wir müssen in den kommenden 40 Jahren die gleiche Menge an Lebensmitteln herstellen wie in den letzten 8.000 Jahren", so WWF-Experte Jason Clay. Zudem wird vor allem in den großen Industrienationen immer noch viel zu viel weggeworfen.

Optimisten verweisen darauf, dass sich die zahlreichen apokalyptischen Voraussagen über die Folgen des Bevölkerungswachstums bisher noch nie bewahrheitet hätten. Tatsache ist, dass sich die Dinge durch technische und medizinische Errungenschaften oft positiver entwickelt haben als befürchtet - nicht nur wegen der Erfindung von Pille und Präservativ, auch wegen der besseren Verwertungskette in der Landwirtschaft.

Seit 1. Homo Sapiens lebten bereits 100 Milliarden Menschen
Und selbst der aktuelle Bevölkerungsrekord bekommt eine andere Dimension, wenn man vergleicht, wie viele Menschen die Erde insgesamt schon ausgehalten hat: Geschätzt wird, dass es seit dem ersten Auftauchen des Homo Sapiens vor etwa 200.000 Jahren schon mehr als 100 Milliarden Menschen gab. Was sind da schon die sieben Milliarden von heute?

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